
Borasio, G. D.
Über das Sterben
Was wir wissen – Was wir tun können – Wie wir uns darauf einstellen
Verlag C. H. Beck, München, 2013, 11. Aufl., 17,95 €, ISBN 978-3-40661-708-9
Über das Sterben
Was wir wissen – Was wir tun können – Wie wir uns darauf einstellen
Verlag C. H. Beck, München, 2013, 11. Aufl., 17,95 €, ISBN 978-3-40661-708-9
Der Autor arbeitet in München als Palliativmediziner. Er informiert in einer auch für Laien gut verständlichen Sprache über das Sterben, die mit dem Lebensende verbundenen Wünsche und die realen Strukturen, in denen das sich Lebensende in der statistischen Mehrzahl abspielt (Krankenhäuser, Intensivstationen, Heimeinrichtungen). Selbstverständlich nehmen die Ausführungen zu den Strukturen, die sich um die palliativmedizinische Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen in den Ausführungen des Palliativmediziners einen breiten Raum ein. Ebenso breiten Raum nimmt das Ausloten dessen ein, was ein schwer kranker und sterbender Mensch in der letzten Phase seines Lebens benötigt. Sehr klar und im Gegensatz zur weit verbreiteten Praxis sowie zu zentralen Aussagen der Bundesärztekammer stehend sind die Darlegungen zu Ernährung und Flüssigkeitsgabe am Lebensende sowie bei Menschen mit Demenz und im Wachkoma – bei Demenz ist die Ernährung über eine PEG-Sonde eher schädlich denn nützlich und bei einem Wachkoma gibt es für die auch Bundesärztekammer geforderte Ernährung keine Evidenz. Der Autor informiert im Weiteren über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie über Sterbehilfe und ärztlich assistierten Suizid – „Medizin am Lebensende zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge“. Das letzte Kapitel handelt vom Ringen um die Anerkennung der Palliativmedizin.
Das Buch kann nur zur Lektüre empfohlen werden. Der Leser muss sich darüber im Klaren sein, dass in Buch dargelegt wird, wie es sein sollte oder könnte - die Realität ist jedoch vielfach eine ganz andere. Das mindert jedoch nicht die Bedeutung der mitunter mutigen Ausführungen des Autors. Mit dem Autor kritisch zu diskutieren wäre – dies anzumerken sei abschließend erlaubt –, wie er begründet, dass die Entscheidung über die Modalitäten der Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen an ihrem Lebensende exklusiv Sache des Arztes ist. Geht es hier wirklich um essentiell medizinische Fragen? Ist der Arzt wirklich dafür qualifiziert, hier exklusiv Entscheidungen zu treffen? Zumindest die Ausbildung und die berufliche Sozialisation der allermeisten Ärzte sprechen eindeutig dagegen. Hier scheinen noch Fragen offen zu sein.
Eine Rezension von Paul-Werner Schreiner