
Anke Steckelberg, Birte Berger-Höger (Hrsg.)
Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1. Auflage 2025, 180 Seiten, Preis 39,00 €, ISBN 978-3-17-043669-5
Informierte Entscheidungsfindung gilt seit Jahren als Qualitätsmerkmal moderner Gesundheitsversorgung. Während das Konzept des Shared Decision Making international gut etabliert ist, bleibt die spezifische Rolle von Pflegefachpersonen in Entscheidungsprozessen im deutschsprachigen Raum bislang unterbelichtet. Der vorliegende Sammelband schließt diese Lücke und rückt Pflegefachpersonen als eigenständige Akteur:innen im Decision Coaching in den Mittelpunkt.
Herausgegeben wird das Werk von Anke Steckelberg und Birte Berger-Höger, die beide seit Jahren zu Gesundheitskompetenz, partizipativer Entscheidungsfindung und pflegebezogener Versorgungsforschung publizieren. Der Band ist im Kontext eines wissenschaftlich begleiteten Entwicklungs- und Implementierungsprojekts entstanden, das sich mit der systematischen Qualifizierung von Pflegefachpersonen für Entscheidungsbegleitung befasst. Damit ist er klar im Feld der evidenzbasierten Pflege und Versorgungsforschung verortet.
Der Aufbau des Buches folgt einer stringenten inneren Logik. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen von Decision Coaching sowie dessen Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Shared Decision Making erläutert. Darauf aufbauend werden Kompetenzanforderungen für Pflegefachpersonen beschrieben und in ein strukturiertes Modell überführt. Im weiteren Verlauf widmet sich das Buch der praktischen Umsetzung, stellt Gesprächsleitfäden, Materialien und Schulungskonzepte vor und diskutiert schließlich Implementierungsstrategien sowie Evaluationsansätze. Die Darstellung bewegt sich damit konsequent von der theoretischen Fundierung hin zur konkreten Anwendung im Versorgungsalltag. Bis zu diesem Punkt bleibt die Darstellung weitgehend beschreibend und argumentativ klar strukturiert.
In der fachlichen Diskussion zeigt sich der eigentliche Mehrwert der Publikation. Neu ist insbesondere die systematische Perspektivierung von Decision Coaching als pflegerische Kernkompetenz. Während internationale Veröffentlichungen – etwa von Stacey et al. oder Elwyn et al. – Decision Coaching primär im ärztlichen Kontext verorten, arbeitet dieser Band die professionsspezifischen Potenziale der Pflege heraus. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierungsdebatte. Der Nutzen des Buches liegt vor allem in der Verbindung von theoretischer Fundierung und praxisorientierten Instrumenten. Pflegefachpersonen in beratungsintensiven Settings, etwa in der Onkologie, bei chronischen Erkrankungen oder in der Primärversorgung, erhalten hier ein strukturiertes Konzept, das unmittelbar anschlussfähig erscheint. Auch für Lehrende in der Pflegebildung sowie für Studiengänge mit Schwerpunkt Beratung und Kommunikation bietet der Band eine solide Grundlage.
Das Thema wird bewusst breit gefasst. Decision Coaching wird nicht auf einzelne Indikationen oder Settings reduziert, sondern als übergreifende Kompetenz verstanden. Diese Weite eröffnet Anschlussmöglichkeiten, führt jedoch stellenweise zu einer gewissen Abstraktheit. So bleiben die Ausführungen zur praktischen Implementierung in komplexen Organisationsstrukturen teilweise auf konzeptioneller Ebene (vgl. S. 102-110), ohne konkrete Barrieren oder Widerstände aus dem Versorgungsalltag differenziert zu analysieren. Auch die Evaluation der Intervention wird eher skizziert als kritisch vertieft diskutiert (vgl. S. 94-99). Hier hätte eine stärkere Einbindung empirischer Daten oder Fallbeispiele die Argumentation verdichten können.
In Bezug auf Übersichtlichkeit und Gestaltung präsentiert sich das Buch strukturiert und gut lesbar. Die Abbildungen verdeutlichen zentrale Modelle nachvollziehbar. Einige Tabellen wirken jedoch in ihrer Dichte eher komprimierend als orientierend, was den schnellen Zugriff im Praxisalltag erschweren könnte. Insgesamt bleibt die grafische Gestaltung funktional und sachlich, dem Anspruch eines wissenschaftlich fundierten Fachbuchs entsprechend.
Die Aktualität des Themas ist unstrittig. Angesichts zunehmender Komplexität medizinischer Optionen, wachsender Anforderungen an Gesundheitskompetenz und einer stärkeren Einbindung von Patient:innen in Behandlungsentscheidungen gewinnt die Frage nach professioneller Entscheidungsbegleitung weiter an Bedeutung. Im Vergleich zu deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Shared Decision Making stellt dieser Band eine konsequente Weiterentwicklung dar, indem er die Pflege explizit als gestaltende Profession positioniert und nicht lediglich als unterstützende Instanz im ärztlichen Entscheidungsprozess versteht.
Zusammenfassend bietet das Buch eine fundierte und zugleich praxisorientierte Einführung in das Konzept des Decision Coaching aus pflegerischer Perspektive. Es leistet einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung professioneller Beratungskompetenzen in der Pflege. Besonders empfehlenswert ist die Publikation für Pflegefachpersonen in erweiterten Rollen, für Lehrende in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie für Studierende pflegewissenschaftlicher Studiengänge. Wer eine kritische Tiefenanalyse mit umfangreichen empirischen Fallstudien erwartet, wird punktuell Ergänzungsbedarf sehen. Wer jedoch ein strukturiertes, wissenschaftlich fundiertes und professionsstärkendes Konzept sucht, findet hier eine überzeugende Grundlage.
Eine Rezension von Julia Taubitz
Anke Steckelberg, Birte Berger-Höger (Hrsg.) Decision Coaching Förderung von informierten Entscheidungen durch Pflegefachpersonen Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1. Auflage 2025, 180 Seiten, Preis 39,00 €, ISBN 978-3-17-043669-5 Informierte Entscheidungsfindung gilt seit Jahren als Qualitätsmerkmal moderner Gesundheitsversorgung. Während das Konzept des Shared Decision Making international gut etabliert ist, bleibt die spezifische Rolle von Pflegefachpersonen in Entscheidungsprozessen im deutschsprachigen Raum bislang unterbelichtet. Der vorliegende Sammelband schließt diese Lücke und rückt Pflegefachpersonen als eigenständige Akteur:innen im Decision Coaching in den Mittelpunkt. Herausgegeben wird das Werk von Anke Steckelberg und Birte Berger-Höger, die beide seit Jahren zu Gesundheitskompetenz, partizipativer Entscheidungsfindung und pflegebezogener Versorgungsforschung publizieren. Der Band ist im Kontext eines wissenschaftlich begleiteten Entwicklungs- und Implementierungsprojekts entstanden, das sich mit der systematischen Qualifizierung von Pflegefachpersonen für Entscheidungsbegleitung befasst. Damit ist er klar im Feld der evidenzbasierten Pflege und Versorgungsforschung verortet. Der Aufbau des Buches folgt einer stringenten inneren Logik. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen von Decision Coaching sowie dessen Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Shared Decision Making erläutert. Darauf aufbauend werden Kompetenzanforderungen für Pflegefachpersonen beschrieben und in ein strukturiertes Modell überführt. Im weiteren Verlauf widmet sich das Buch der praktischen Umsetzung, stellt Gesprächsleitfäden, Materialien und Schulungskonzepte vor und diskutiert schließlich Implementierungsstrategien sowie Evaluationsansätze. Die Darstellung bewegt sich damit konsequent von der theoretischen Fundierung hin zur konkreten Anwendung im Versorgungsalltag. Bis zu diesem Punkt bleibt die Darstellung weitgehend beschreibend und argumentativ klar strukturiert. In der fachlichen Diskussion zeigt sich der eigentliche Mehrwert der Publikation. Neu ist insbesondere die systematische Perspektivierung von Decision Coaching als pflegerische Kernkompetenz. Während internationale Veröffentlichungen – etwa von Stacey et al. oder Elwyn et al. – Decision Coaching primär im ärztlichen Kontext verorten, arbeitet dieser Band die professionsspezifischen Potenziale der Pflege heraus. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierungsdebatte. Der Nutzen des Buches liegt vor allem in der Verbindung von theoretischer Fundierung und praxisorientierten Instrumenten. Pflegefachpersonen in beratungsintensiven Settings, etwa in der Onkologie, bei chronischen Erkrankungen oder in der Primärversorgung, erhalten hier ein strukturiertes Konzept, das unmittelbar anschlussfähig erscheint. Auch für Lehrende in der Pflegebildung sowie für Studiengänge mit Schwerpunkt Beratung und Kommunikation bietet der Band eine solide Grundlage. Das Thema wird bewusst breit gefasst. Decision Coaching wird nicht auf einzelne Indikationen oder Settings reduziert, sondern als übergreifende Kompetenz verstanden. Diese Weite eröffnet Anschlussmöglichkeiten, führt jedoch stellenweise zu einer gewissen Abstraktheit. So bleiben die Ausführungen zur praktischen Implementierung in komplexen Organisationsstrukturen teilweise auf konzeptioneller Ebene (vgl. S. 102-110), ohne konkrete Barrieren oder Widerstände aus dem Versorgungsalltag differenziert zu analysieren. Auch die Evaluation der Intervention wird eher skizziert als kritisch vertieft diskutiert (vgl. S. 94-99). Hier hätte eine stärkere Einbindung empirischer Daten oder Fallbeispiele die Argumentation verdichten können. In Bezug auf Übersichtlichkeit und Gestaltung präsentiert sich das Buch strukturiert und gut lesbar. Die Abbildungen verdeutlichen zentrale Modelle nachvollziehbar. Einige Tabellen wirken jedoch in ihrer Dichte eher komprimierend als orientierend, was den schnellen Zugriff im Praxisalltag erschweren könnte. Insgesamt bleibt die grafische Gestaltung funktional und sachlich, dem Anspruch eines wissenschaftlich fundierten Fachbuchs entsprechend. Die Aktualität des Themas ist unstrittig. Angesichts zunehmender Komplexität medizinischer Optionen, wachsender Anforderungen an Gesundheitskompetenz und einer stärkeren Einbindung von Patient:innen in Behandlungsentscheidungen gewinnt die Frage nach professioneller Entscheidungsbegleitung weiter an Bedeutung. Im Vergleich zu deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Shared Decision Making stellt dieser Band eine konsequente Weiterentwicklung dar, indem er die Pflege explizit als gestaltende Profession positioniert und nicht lediglich als unterstützende Instanz im ärztlichen Entscheidungsprozess versteht. Zusammenfassend bietet das Buch eine fundierte und zugleich praxisorientierte Einführung in das Konzept des Decision Coaching aus pflegerischer Perspektive. Es leistet einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung professioneller Beratungskompetenzen in der Pflege. Besonders empfehlenswert ist die Publikation für Pflegefachpersonen in erweiterten Rollen, für Lehrende in der Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie für Studierende pflegewissenschaftlicher Studiengänge. Wer eine kritische Tiefenanalyse mit umfangreichen empirischen Fallstudien erwartet, wird punktuell Ergänzungsbedarf sehen. Wer jedoch ein strukturiertes, wissenschaftlich fundiertes und professionsstärkendes Konzept sucht, findet hier eine überzeugende Grundlage. Eine Rezension von Julia Taubitz Ihr Update für die Pflegefroschung Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe. Jetzt Abo sichern! Kostenloser Probezugang? Hier registrieren. Please make sure that AcyMailing is installed and activated. .sppb-addon-articles .sppb-addon-article-layout-editorial-row { display: grid; grid-template-columns: repeat(4, 1fr); } @media (max-width: 1200px) { .sppb-addon-articles .sppb-addon-article-layout-editorial-row { grid-template-columns: repeat(3, 1fr); } } @media (max-width: 992px) { .sppb-addon-articles .sppb-addon-article-layout-editorial-row { grid-template-columns: repeat(3, 1fr); } } @media (max-width: 768px) { .sppb-addon-articles .sppb-addon-article-layout-editorial-row { grid-template-columns: repeat(2, 1fr); } } @media (max-width: 575px) { .sppb-addon-articles .sppb-addon-article-layout-editorial-row { grid-template-columns: repeat(1, 1fr); } } VPU fordert pflegefachliche Vertretung auf Vorstandsebene in der Hochschulmedizin 15. 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