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Gesundheitsförderung (Rezension)

Gesundheitsförderung (Ruckstuhl, Brigitte)Juventa Verlag, Weinheim und München, März 2011, 239 Seiten, 27,00 Rezension von: Prof. Dr. Andrea Warnke Prinzipien der Gesundheitsförderung sind in den 1970er und 1980er Jahren in Europa, Nordamerika und Australien entwickelt worden. D
25. Mai 2013 durch
Gesundheitsförderung (Rezension)
Andreas Lauterbach

Gesundheitsförderung (Ruckstuhl, Brigitte)

Juventa Verlag, Weinheim und München, März 2011, 239 Seiten, 27,00

Rezension von: Prof. Dr. Andrea Warnke

Prinzipien der Gesundheitsförderung sind in den 1970er und 1980er Jahren in Europa, Nordamerika und Australien entwickelt worden. Diese Ideen und Konzepte wurden 1986 in der Ottawa-Charta - als eine Aktions-Charta zur Erreichung der Ziele "Gesundheit für alle 2000" zusammengefasst. Ziel von Regierungen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war "[…] das Erreichen eines Grades von Gesundheit für alle Bürger der Welt bis zum Jahr 2000 […], der ihnen erlaubt, ein sozial und ökonomisch produktives Leben zu führen" (Resolution der 30. WHO-Versammlung Genf 1977). Nun, 25 Jahre danach, feiert die Ottawa-Charta, und damit die Gesundheitsförderung als eine neue Denk- und Handlungsweise in Public Health, Jubiläum. Zeit, einen Blick zurück zu werfen. Die Autorin möchte eine Brücke schlagen zwischen dem aktuellen Verständnis von Gesundheitsförderung und der Entstehungsgeschichte des Konzeptes der Gesundheitsförderung in den deutschsprachigen Ländern.

Im ersten Teil des Buches erfolgt zunächst eine historische Betrachtung des Paradigmenwechsels "Krankheit - Gesundheit", "Kuration - Prävention" in den 1970er und 1980er Jahren. Der sich so vollziehende gesellschaftliche Wandel erfasste auch das öffentliche Gesundheitswesen und mündete z. B. in neuen sozialen Bewegungen (z. B. Frauenbewegung), in der Gesundheitsbewegung und der Selbsthilfebewegung. Diese Dynamik wirkte sich auch auf die Forschung aus. Neue Fragestellungen und Handlungsansätze nahmen Gestalt an, wie z. B. die Gemeinwesenarbeit und der Empowerment-Ansatz. Medizinsoziologische Ansätze wie Soziale Unterstützung und Laienhilfe gewinnen an Bedeutung. Auf gesundheitspolitischer Ebene übernimmt die WHO Europa eine zentrale Rolle in der Systematisierung und Entwicklung des Konzeptes der Gesundheitsförderung und einem sich wandelnden Verständnis von Public Health.

Im zweiten Teil des Buches kommen 14 Akteure "der ersten Generation" der Gesundheitsförderung zu Wort: von Alf Trojan über Bernhard Badura und Werner Schmidt bis zu Ilona Kickbusch. Die Leitfragen der Interviews strukturieren fünf Themenbereiche: vom beruflichen Kontext der/des Interviewten über damalige gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Fragen zur Entwicklung des Konzepts Gesundheitsförderung, einer rückblickenden Einschätzung der damaligen Entwicklung aus heutiger Perspektive bis hin zu einem Ausblick in Form von Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen bezüglich der Entwicklung der Gesundheitsförderung.

Abschließend fasst die Autorin Themen zusammen, die das Verständnis von Gesundheitsförderung und ihr Handlungsfeld bis heute prägen; exemplarisch genannt seien "Gesundheitsförderung: eine Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel" und "Gesundheitsförderung: eine multifunktionale Aufgabe".

Ein Buch mehr im Regal zum Thema Gesundheitsförderung. Ein historischer Rückblick auf eine doch recht junge Disziplin. Interviews mit Fachpersonen, die an der Entwicklung dieses Konzepts beteiligt waren. Brauchen wir das, mag man sich nun vielleicht zu Recht fragen. Die Antwort ist "Ja".

Das Buch gibt einen in dieser Form bisher nicht vorliegenden zeitgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Gesundheitsförderung. Entscheidend und erkenntnisreich sind hier die Interviews, die einen ungeahnt lebendigen Eindruck in eben diesen Prozess der Entwicklung des Konzeptes der Gesundheitsförderung aber auch den gesundheits- und sozialpolitischen Kontext bieten. Besonders macht das Buch auch, dass neben sieben Fachpersonen aus der BRD, eine aus der ehemaligen DDR und weitere aus Österreich und der Schweiz zu Wort kommen, und so eine weite Perspektive auf die Gesundheitsförderung im Kontext gesellschaftlicher und sozialer Veränderungen möglich ist.

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