Grundlagen der Gentechnik ()Rezension von: Paul-Werner Schreiner |
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Die Gentechnik ist immer Thema kontroverser Diskussionen. Dabei steht in der öffentlichen Debatte darüber die sog. âgrüne Gentechnikâ, die Manipulationen auf molekularbiologischer Ebene an Lebensmitteln, im Vordergrund. Die meisten Menschen sind, glaubt man vielfach kolportierten Umfragen, dafür, dass sie dagegen sind. Man wittert eine Gefahr, die wenigsten Nicht-Biologen wissen aber so ganz genau, worum es eigentlich geht. Auch machen sich die wenigsten Menschen die Mühe, Firmen, die zugeben, gentechnische Nahrungsmittelbestandteile zu verarbeiten, konsequent zu boykottieren - ganz aktuell das Beispiel Müller-Milch -, würde dies doch vielfach bedeuten, mehr Geld für Lebensmittel ausgeben zu müssen.
Hinsichtlich der sog. âroten Gentechnikâ, der Anwendung gentechnischer Verfahren im Bereich der Medizin, ist der Kenntnisstand vermutlich noch geringer als bei der âgrünen Gentechnikâ; lediglich spektakulären Themen wie Klonen oder Präimplantationsdiagnostik sowie die missglückten Versuche einer Gentherapie dürften im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen sein. Die Ablehnung auch hinsichtlich der spektakulären Abwendungsbereiche im Bereich der Medizin ist aber längst nicht so durchgehend wie bei den Anwendungen im Lebensmittebereich. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass von den Wissenschaftlern und den vor allem von der dahinter stehenden gigantischen Industrie die Gentechnik mit bisher nicht gekannten Therapiemöglichkeiten verknüpft wird und die Neigung, therapeutische Optionen konsequent abzulehnen, nicht sehr weit verbreitet ist. Auch sind viele Anwendungen gentechnischer Verfahren im Bereich der Medizin selbst den in diesem Bereich Tätigen nicht immer bekannt und/oder schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
Um eine ansatzweise fundierte Position zu Fragen der Gentechnik beziehen zu können, ist es notwendig, zu wissen, worüber gesprochen wird. Der Konstanzer Biologe, Physiker und Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer hat in der Reihe âFischer Kompaktâ zwei Taschenbücher vorgelegt, die in einer für einen Nicht-Biologen gut verständlichen Weise in das Thema einführen.
Fischer, Ernst Peter
Geschichte des Genoms
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 2003, 128 S., 8,90 â¬, ISBN 3-596-15363-8
Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Möglichkeiten sind nie einfach da oder schon immer da gewesen; in der Regel bauen sie auf vielfältigen Voraussetzungen auf und sie stehen meist in einem beachtenswerten Kontext. Dies ist insofern bedeutsam, als gerade in der Diskussion über kontroverse Themen kritisch die Frage gestellt werden muss, ob es angemessen und sinnvoll ist, die gerade aktuellen Exzesse einer wissenschaftlichen und technischen Entwicklung zu kritisieren. Diese zutiefst ahistorische Betrachtungsweise ist auch in der Debatte über die Gentechnik vielfach zu beobachten.
Im ersten Teil des Taschenbuches wird eine Einführung in das System der Informationsweitergabe im Bereich der Zellen, in das, was als Vererbungslehre bezeichnet wird, gegeben, und wie diese Erkenntnisse gewonnen wurden bzw. entstanden sind. Dabei wird die Komplexität des Gegenstandes deutlich, was schon einen Hinweis darauf gibt, dass das Eingreifen nicht ganz so einfach ist, wie es manchmal dargestellt wird.
Im zweiten Teil werden dann einzelne Stationen der Entwicklung dieses Wissenschaftsgebietes im einzelnen beleuchtet, angefangen bei Herrn Mendel (wobei natürlich auch dieser nicht voraussetzungslos war) über die Entdeckung der Doppel-Helix durch Watson und Crick bis hin zu den Projekten, die darauf aufbauten. Die Ausführungen enden mit einem Blick auf die Irrtümer, die die Geschichte dieses Wissenschaftsgebietes säumen.
Fischer, Ernst Peter
Das Genom
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 2003, 128 S., 8,90 â¬, ISBN 3-596-15362-X
In diesem zweiten Taschenbuch wird im ersten Teil dargestellt, was unter dem Genom verstanden wird. Dabei spielt natürlich das Projekt der Entzifferung des menschlichen Genoms eine wesentliche Rolle - weniger bekannt ist, dass die - meist kleineren - Genome von anderen Lebewesen und auch Lebensmittel komplett sequenziert sind. Es wird deutlich, welch begrenzten Wert die reine Sequenzierung des Genoms hat, aber es wird auch aufgezeigt welche Erwartungen an die Entzifferung der Erbanlagen geknüpft werden.
Im zweiten Teil werden wiederum einzelne Detailfragen näher beleuchtet.
Wer von den Taschenbüchern eine kritische Diskussion des Themas erwartet, wird enttäuscht. Sie bieten eine gute Einführung in ein viel und kontrovers diskutiertes Fachgebiet, von dem zu erwarten ist, dass es - gleichgültig wie man sich dazu stellt - noch gröÃere Bedeutung gewinnen wird.
Beide Taschenbücher seien allgemein empfohlen. Wer im Bereich des Gesundheitswesens tätig ist, sollte vielleicht etwas mehr über dieses Wissenschaftsgebiet, das bereits jetzt im Hintergrund medizinischen Handelns präsent ist, wissen; in den Ausbildungsgängen der Pflegeberufe können die beiden preiswerten Taschenbücher sinnvoll eingesetzt werden.