Heilkunde im alten Potsdam (Goerke, Heinz)Georg Olms Verlag, Hildesheim, 2002, 248 S. mit 40 Abbildungen. Leinen, 39,80 ⬠- ISBN 3-487-11626-XRezension von: Dr. Hubert Kolling |
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Die Stadt Potsdam kann auf eine lange und durchaus interessante Geschichte zurückblicken, die sich in einer groÃen Zahl entsprechender Veröffentlichungen niederschlägt. Eine Arbeit, die sich speziell mit der Entwicklung des Gesundheitswesens befasst, fehlte freilich bislang. An diesem Thema Interessierte konnten lediglich auf kurze Hinweise zur Seuchen-, Krankenhaus- und Geschichte der Hof- und Leibärzte zurückgreifen. Diese Lücke hat nun Heinz Goerke, selbst in Potsdam aufgewachsen und dort etliche Jahre an Krankenhäusern und in eigener Praxis tätig, mit seinem Buch "Heilkunde im alten Potsdam" geschlossen. Der Autor, ordentlicher Professor für Geschichte der Medizin an der Freien Universität Berlin und an der Ludwig-Maximilian-Universität München sowie Direktor der Universitätskliniken Berlin-Steglitz und München-GroÃhadern, die beide von ihm in Betrieb genommen wurden, beschreibt darin in einzelnen Kapiteln ausführlich die Medizingeschichte der Residenzstadt, die Einflüsse der groÃen Seuchen, die bis ins 19. Jahrhundert auftraten, die Entstehung der Krankenhäuser vom Hospital bis zum modernen Klinikbau, die Geschichte der Soldatenlazarette und der Apotheken sowie die Rolle der Leibärzte und Militärchirurgen. Darüber hinaus schildert er einzelne, herausragende ärztliche Persönlichkeiten unter Einbeziehung des allgemeinen politischen und sozialen Umfeldes. Der zeitliche Rahmen der Darstellung beschränkt sich bis zum Jahr 1945. Nach Ansicht von Heinz Goerke waren, wie er hierzu in seinem Vorwort betont, als Folge der Zerstörung durch Bomben und Beschuss, der Besetzung durch die Sowjetarmee, der Eingriffe der neuen politischen Machthaber und tief greifender Umwandlungen in der Bevölkerungsstruktur das Erscheinungsbild und der Charakter der Stadt nachhaltig verändert worden. Der solide verarbeitete und mit zahlreichen SchwarzweiÃ-Abbildungen illustrierte Band wird ergänzt durch einen umfangreichen Anmerkungsapparat, ein ausführliches Literaturverzeichnis und eine Sammlung von Kurzbiografie bedeutender Mediziner. Insgesamt betrachtet hält der Leser ein kurzweiliges Buch in Händen, das ihn ausführlich über die Entwicklung der Medizingeschichte in Potsdam - und zuweilen darüber hinaus - informiert. Wer den Band freilich zur Hand nimmt, um darin auch etwas über die Geschichte der Krankenpflege zu lesen, wird stark enttäuscht sein, da jene Frauen und Männer, die neben den Medizinern ebenfalls zum Wohle der Patienten Tag für Tag ihre Arbeit verrichteten, mit keinem Wort Erwähnung finden. Hierin liegt ein groÃer Mangel der Veröffentlichung, weil sich die Geschichte des Gesundheitswesens nicht nur auf die Medizin beschränkt und eine solch isolierte Betrachtungsweise mittlerweile - Gott sei Dank - völlig unzeitgemäà ist.