Management Handbuch Pflege (Dieffenbach, Susanne et al. (Hrsg.))Economica, Heidelberg, 2004, Loseblattwerk im Ordner mit CD-ROM, ca. 500 S., 132,00 ⬠- ISBN 3-87081-369-5Rezension von: Paul-Werner Schreiner |
|
Pflegemanagement gibt es zwar noch so nicht so lange, wie es Pflege gibt, aber spätestens seit Institutionen zur pflegerischen Versorgung hilfebedürftiger Menschen entstanden sind. Der Status der mit der Aufgabe des Pflegemanagements betrauten Frauen und Männer unterlag einem stetigen Wandel, entsprechend auch an sie herangetragenen Erwartungen. Nicht immer - um nicht zu sagen selten - entsprachen und entsprechen die dem Pflegemanagement zugesprochenen Kompetenzen auch den an gestellten Forderungen.
Mit den gesundheitspolitischen und das Krankenhaus betreffenden finanzierungstechnischen Änderungen der letzten Jahre hat sich zumindest das Aufgabenfeld des Pflegemanagements etwas klarer dargestellt. So ist das Erscheinen eines Management Handbuches Pflege sicherlich begrüßenswert.
Zur Besprechung liegt nur das Grundwerk als Printausgabe vor, sodass zur CD-ROM nicht gesagt werden kann. Da sich in diesem Management auch weiterhin sicherlich immer wieder etwas ändern wird, scheint die Loseblattsammlung ein geeignetes Medium zu sein. In bester Handbuchart enthält das Grundwerk 40 Artikel, die in zehn Abteilungen gegliedert sind:
- Unternehmensführung
- Personal/-entwicklung
- Management(techniken)
- Prozessmanagement
- Versorgungsmanagement
- Unternehmensorganisation
- Qualitätsmanagement
- Marketing
- Controlling
- Finanzierung.
Die einzelnen Artikel enthalten jeweils ein Inhaltsverzeichnis, eine Schlagwortübersicht sowie ein Literaturverzeichnis. Die Absätze des Textes der einzelnen Artikel sind durchnummeriert, sodass eine Orientierung über die Kapitel eigenen Schlagwortverzeichnisse sowie über das Gesamtschlagwortregister schnell möglich ist. Die einzelnen Artikel enthalten viele für Pflegemanager wertevolle Informationen und Anregungen.
Einige kritische Anmerkungen seien erlaubt:
- Ein mit "Anhang" ausgewiesener Bereich ist leer, ebenso ein mit "Fallstudien" ausgewiesener Bereich. In einem mit "Materialien" überschriebenen Bereich sind zwei Aufsätze eingeordnet, die von der Sache her eigentlich in den Abschnitt "Finanzierung" gehören ("Grundzüge des Krankenhausfinanzierungsgesetzes" sowie "DRG - Aufbau und Struktur"). Solche nicht ohne weiteres nachvollziehbare Zuordnungen gibt es noch mehrere: So ist nicht einsichtig, weshalb die Darstellung der multiprofessionellen Behandlungspfade und des Case-Managements unter "Prozessmanagement" erscheinen, das Überleitungsmanagement jedoch unter "Versorgungsmanagement", zumal dann unter "Qualitätmanagement" Ausführungen zum Expertenstandard Entlassungsmanagement zu finden sind. Ebenfalls nicht recht einleuchten will die Einordnung einer ausführlichen Abhandlung zum Pflegeprozess im Abschnitt "Unternehmensorganisation". In diesem Abschnitt findet sich dann auch noch eine Abhandlung zur Vereinfachung der Pflegedokumentation, die sich jedoch ganz ausschließlich mit der Situation im Pflegeheim beschäftigt, wobei sich die übrigen Ausführungen eigentlich durchgehend mit Fragen des Pflegemanagements im Krankenhaus beschäftigen, was auch an den Herausgebern und Autoren deutlich wird und nicht zu kritisieren ist. Ausführungen zur Pflegeplanung im Krankenhaus wären spannend; es müsste nämlich thematisiert werden, wie mit dem Problem umzugehen ist, dass im Krankenhaus (nicht immer weniger, sondern durch die Konzentrierung der Abläufe immer mehr) der Pflegedienst alles planen darf, was ärztliches und sonstiges therapeutisches Tun sowie die Abläufe der Versorgungseinrichtungen nicht stört.
- Das Thema "EDV im Pflegemanagement" scheint für die Herausgeber keines zu sein. EDV-gestützte Pflegeplanung findet keine Erwähnung. Ebenso vermisst man in den Ausführungen des Verwaltungsdirektors des Klinikums Offenbach zum Personaleinsatz in der Pflege im stationären Bereich einen Hinweis darauf, dass der Computer hier ein hilfreiches Instrument sein könnte - z.B. bei der Berechnung von Plus- und Minuszeiten und der Übertragung derselben von einem Dienstplan auf den anderen, was in der Hand-zu-Fuß-Variante ausführlich dargestellt wird.
Nun ist eine Loseblattsammlung ja entwicklungsfähig, sodass diese Anmerkungen auch als Anregungen für die weitere Arbeit an dem Werk dienen mögen, das insgesamt empfehlenswert ist.
Davon unabhängig Kritik verdient der einleitende Aufsatz der beiden Herausgeberinnen Käte Harms und Susanne Dieffenbach über die Identität der Profession Pflege. Dem Rezensenten ist nicht erfindlich, wie man ein Handbuch Pflegemanagement mit einer solchen Ansammlung von Wunschvorstellungen zur beruflichen Pflege einleiten kann. Einem Handbuch Pflegemanagement angemessen wäre die kritische Reflexion der Realität in den Kliniken, die sich, politisch gewollt, zu reinen Hightech-Zentren mit immer weniger allgemeinem Versorgungsauftrag weiterentwickeln und in denen in Folge dieser Entwicklung Pflege immer weiter eliminiert wird. Interessant wäre doch, die Frage zu erörtern, was dies für das Pflegemanagement bedeutet. Auch wäre es einmal wert, kritisch den Status des Pflegemanagements selber zu betrachten, wozu auch gehörte, zu bedenken, dass z.B. Kreise mit mehreren Kreiskrankenhäusern bei Ausscheiden einer PDL diese oftmals nicht mehr ersetzen und den Pflegedienst in mehreren Kreiskrankenhäusern von einer Pflegemanagerin leiten lassen; diese Strategie gipfelt bekanntlich darin, dass ein Kreis (Schwäbisch Hall), der in seinen beiden Kreiskrankenhäuser die Pflegedienstleitung schlicht abschaffte und den Pflegedienst den ärztlichen Abteilungsleitern unterstellte. Dies kann man beim besten Willen nicht als eine Stärkung der Pflege als eigenständiger Beruf oder gar Profession interpretieren; und es steht dies in einem nicht geringen Widerspruch zu den Vorstellungen, die die beiden Herausgeberinnen entfalten. Dieses erste Kapitel sollte besser entfallen oder grundsätzlich neu konzipiert werden.