300 Jahre Charité – im Spiegel ihrer Institute Einhäupl, Karl M. et al. (Hrsg.) )Walter de Gruyter Verlag. Berlin, New York 2010, 266 S., gebunden, 59,95 €, ISBN 978-3-11-020256-4 Rezension von:Dr. Hubert Kolling |
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Sie ist eine Institution des deutschen Gesundheitswesens, wie kaum eine andere. Die Rede ist von der Berliner Charité, die in diesem Jahr (2010) ihr 300-jähriges Jubiläum feiern kann. Zu dem größten Klinikum Europas – eines der international führenden Zentren medizinischer Forschung und Lehre – gehören neben dem großen Bettenhaus im Osten der Stadt mittlerweile auch der Campus Virchow im Wedding und das Klinikum Benjamin Franklin. Die Fakten sprechen dabei für sich: Gut 10.000 Menschen arbeiten hier, 130.000 stationäre und 500.000 ambulante Behandlungen finden jährlich an drei von vier Standorten statt. 1,12 Milliarden Euro Jahresumsatz hat das Unternehmen; 130 Millionen Euro Forschungsgelder werden aus „Drittmitteln“ eingeworben, während 203 Millionen vom Land als Zuschüsse zur Verfügung gestellt werden. 3.750 Mediziner/innen und Wissenschaftler/innen verschiedener Fachgebiete forschen hier und lehren außerdem ungefähr 7.000 Studierende in elf Studiengänge, darunter auch zwei pflegewissenschaftliche. Insgesamt gibt es 46 Kliniken und 43 Institute, die in 17 Charité-Zentren organisatorisch zusammengefasst sind. Und um die Patienten/-innen in den über 3.000 Krankenbetten kümmern sich fast 5.000 Pflegekräfte auf rund 3.500 Stellen im Pflege- und Funktionsdienst. Weltweit wird das Universitätsklinikum als ausgezeichnete Ausbildungsstätte geschätzt. Über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stammen aus der Charité, unter ihnen Emil von Behring, Robert Koch und Paul Ehrlich.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten der Charité, die im Jahre 1710 als Pesthaus und Isolierstation –damals noch außerhalb der Stadtmauern – erbaut worden war, finden im Rahmen eines Wissenschaftsjahres statt, denn auch die Berliner Humbold-Universität und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften haben Geburtstag – wenn auch erst ihren 200. beziehungsweise 100. Anlässlich des Jubiläums haben Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender Charité Universitätsmedizin Berlin, Prof. Dr. Detlev Ganten, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité, und Dr. Jakob Hein, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsmedizin Berlin, unter Mitwirkung des Wissenschaftsjournalisten Falko Hennig das Buch „300 Jahre Charité – im Spiegel ihrer Institute“ herausgegeben, in dem sie Geschichte, Gegenwart und Horizonte der Institution beleuchten.
Der mit zahlreichen Schwarzweiß-Abbildungen illustrierte Band gliedert sich in die folgenden 21 Kapitel:
1. Allgemeiner Teil (S. 1-18)
2. Krankenpflege (S. 19-21)
3. Chirurgie (S. 22-40)
4. Anatomie (S. 41-49)
5. Grundlagenmedizin (S. 50-63)
6. Frauenheilkunde und Geburtshilfe (S. 64-75)
7. Psychiatrie und Neurologie (S. 76-83)
8. Pathologie (S. 84-97)
9. Zahnheilkunde (S. 98-107)
10. Augenheilkunde und Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (S. 108-127)
11. Kinder- und Jugendmedizin (S. 128-138)
12. Rechtsmedizin (S. 139-145)
13. Anästhesie und Anästhesiologie (S. 146-152)
14. Dermatologie (S. 153-158)
15. Therapieforschung (S. 159-167)
16. Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie (S. 168-207)
17. Klinisch-theoretische Fächer (S. 208-217)
18. Orthopädie (S. 218-230)
19. Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin (S. 231-240)
20. Onkologie (S. 241-246)
21. Human- und Gesundheitswissenschaften (S. 247-260).
Ergänzt wird die Darstellung durch ein umfangreiches Personenregister (S. 261-266).
In ihrem Vorwort weisen die Herausgeber darauf hin, dass ihre Veröffentlichung keine umfassende Geschichte aller Institute, Kliniken und Einrichtungen der traditionsreichen Charité sein könne. Dafür bedürfe es wohl einer mehrjährigen Forschungsarbeit, die in einem vielbändigen Werk resultieren würde. Das Buch könne auch nicht die hervorragenden Leistungen, die an der Charité seit Jahrhunderten erbracht werden, in einem angemessenen Umfang würdigen. Denn seit 300 Jahren arbeiteten täglich Tausende Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Studierende, Forschende und zahlreiche weitere Menschen an diesem Haus. Sie alle hätten gemeinsam dazu beigetragen, dass der Name Charité nun schon seit Jahrhunderten weltweit einen guten Klang hat.
Stattdessen habe man versucht, aus der Sicht der Kliniken und Institute herauszufinden und darzustellen, wo die große und vielschichtige Charité heute steht. Was sind die Traditionslinien, die bis zum heutigen Tag eine wichtige Rolle spielen? Was sind die Schwerpunkte der aktuellen Arbeit? Wo liegen die Perspektiven der Zukunft? „So zeichnet dieses Buch das Portrait der 300-jährigen Charité aus der Sicht ihrer Kliniken und Institute und somit letztendlich ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und auch wenn es vieles nicht leisten kann, ist dies allein ein würdiger und schöner Anlass für dieses Buch.“
Neben Klaus Wowereit, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, hat auch MdB Prof. Dr. Annette Schavan, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, dem Buch ein Grußwort beigesteuert. Darin bringt sie zum Ausdruck, dass das Jubiläumsjahr 2010 ein hervorragender Anlass sei, um auf das zurückzublicken, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Charité in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten geleistet und erreicht haben. Dazu lade die Chronik der Charité ein. Wörtlich fügt sie hinzu: „Sie gewährt spannende Einblicke in die Vergangenheit und Gegenwart einer der größten Universitätskliniken Europas und macht neugierig auf das, was exzellente Forschung und hochwertige Krankenversorgung im Herzen Berlins zukünftig erwarten lassen.“
„300 Jahre Charité – im Spiegel ihrer Institute“ bietet eine einmalige Möglichkeit, sich einen hervorragenden Überblick über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des größten Universitätsklinikums in Europa zu verschaffen. Am Ende von jedem Kapitel finden sich Quellenangaben, durch die eine vertiefende Auseinandersetzung ermöglicht wird. Es ist sehr erfreulich, dass neben den medizinischen Instituten auch der Krankenpflege ein eigenes Kapitel gewidmet wurde, wenngleich dies mit knapp drei Seiten den mit Abstand kleinsten Umfang hat. Ärgerlich ist zudem, dass hier die Quellenangaben schwere Defizite aufweisen, indem lediglich der Hinweis auf einige allgemeine Publikationen zur Geschichte der Krankenpflege gegeben wird.