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Schulgesundheitspflege: Professionelle Gesundheits- und Krankenpflege im Setting von Schule und Kindergarten


 
 Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa Amon
 
 facultas, Wien 2026, 178 Seiten, 28,90 €, ISBN 978-3-7089-2635-3, E-ISBN 978-3-99180-027-9
 
 Mit dem Werk „Schulgesundheitspflege“ greifen Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa
2. Juni 2026 durch
Schulgesundheitspflege: Professionelle Gesundheits- und Krankenpflege im Setting von Schule und Kindergarten
Andreas Lauterbach

Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa Amon

facultas, Wien 2026, 178 Seiten, 28,90 €, ISBN 978-3-7089-2635-3, E-ISBN 978-3-99180-027-9

Mit dem Werk „Schulgesundheitspflege“ greifen Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa Amon ein Thema auf, das im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Mittelpunkt stehen die professionelle pflegerische Versorgung, Beratung, Gesundheitsförderung und Prävention im Lebensraum Schule und Kindergarten. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Gesundheit, Bildungsteilhabe und soziale Gerechtigkeit eng miteinander verbunden sind. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Alltags in Bildungsinstitutionen; gesundheitliche Belastungen, chronische Erkrankungen, psychische Krisen, soziale Benachteiligung oder Gewaltgefährdungen werden dort sichtbar und beeinflussen Lern- und Entwicklungschancen unmittelbar.

Das Buch versteht Schulgesundheitspflege nicht als ergänzende Erste-Hilfe-Funktion, sondern als eigenständiges pflegerisches Handlungsfeld an der Schnittstelle von Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem. Gesundheit soll im Setting Schule und Kindergarten gefördert, Krankheit vorgebeugt und Gesundheitskompetenz gestärkt werden. Als Zielgruppen werden insbesondere Gesundheits- und Krankenpfleger:innen, fachlich Interessierte sowie Entscheidungsträger:innen angesprochen.

Die Autor:innen sind fachlich eng im Bereich Pflegewissenschaft, Gesundheits- und Krankenpflege sowie akademischer Pflegebildung verankert. Hans Peter Köllner ist FH-Professor an der Hochschule Campus Wien, Leiter des Studienbereichs Gesundheits- und Krankenpflege und stellvertretender Studiengangsleiter Gesundheits- und Krankenpflege. Daniela Nitschinger ist stellvertretende Leiterin des Studienbereichs Gesundheits- und Krankenpflege und Senior Lecturer an der Hochschule Campus Wien. Theresa Amon ist ebenfalls Senior Lecturer und stellvertretende Studienprogrammleiterin mehrerer Masterprogramme, darunter Advanced Nursing Counseling, Advanced Nursing Education, Advanced Nursing Practice und Pflegepädagogik. Damit schreiben die Autor:innen nicht aus einer rein theoretischen Außenperspektive, sondern aus einem akademisch-professionsbezogenen Kontext heraus. Besonders relevant ist zudem, dass das Zertifikatsprogramm „Schulgesundheitspflege – School Health Nursing“ vom Department Angewandte Pflegewissenschaft der Hochschule Campus Wien entwickelt und mit der Campus Wien Academy angeboten wird. Fachlich benachbarte Publikationen bestehen unter anderem bei Theresa Amon, die an der Studie „Etablierungsprozess der Schulgesundheitspflege: Eine qualitative Studie mithilfe der Process Theory“ beteiligt war, sowie bei Hans Peter Köllner, der auch zu Pflegetheorien mittlerer Reichweite publiziert hat.

Die Publikation ist deutlich im österreichischen Kontext verankert. Sie nimmt Bezug auf gesetzliche Rahmenbedingungen, professionsbezogene Entwicklungsfragen und die Etablierung von Schulgesundheitspflege in Österreich. Gleichzeitig wird der internationale Hintergrund, insbesondere die US-amerikanische Tradition des School Nursing, als Referenzpunkt herangezogen. Dadurch entsteht ein doppelter Bezugsrahmen. Einerseits wird gefragt, wie Schulgesundheitspflege in Österreich rechtlich, organisatorisch und professionell verortet werden kann und andererseits dient die internationale Entwicklung dazu, das Tätigkeitsfeld fachlich zu legitimieren und zu konturieren. Damit ist das Werk nicht nur als Lehrbuch zu verstehen, sondern auch als professionspolitischer Beitrag. Es argumentiert für die Weiterentwicklung pflegerischer Rollen im Bildungssetting und zeigt, dass Gesundheits- und Krankenpflege dort einen eigenständigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, Prävention, Gesundheitskompetenz, Inklusion und Chancengerechtigkeit leisten kann.

Inhaltlich ist das Werk in acht Kapitel sowie ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis gegliedert. Kapitel 1 führt in das Tätigkeitsfeld ein, beschreibt Schulgesundheitspflege als neu zu erschließendes pflegerisches Handlungsfeld und benennt Herausforderungen sowie förderliche Maßnahmen für ihre Etablierung. Kapitel 2 behandelt gesetzliche Rahmenbedingungen, Tätigkeitsprofil, Professionalisierung und Berufsfeldentwicklung. Dabei werden berufsgesetzliche Aspekte, Professionsmerkmale und die historische Entwicklung des School Nursing, insbesondere in den USA, dargestellt. Kapitel 3 widmet sich entwicklungspsychologischen Grundlagen. Erikson, Piaget und Wygotski werden herangezogen, um kindliche und jugendliche Entwicklung für die schulgesundheitspflegerische Praxis einzuordnen. Kapitel 4 nimmt eine familienzentrierte Perspektive ein und stellt unter anderem Bronfenbrenners ökologisches Systemmodell, familienzentrierte Pflege, das Calgary-Familien-Assessment-Modell, das Calgary-Familien-Interventions-Modell sowie das 15-Minuten-Familiengespräch vor. Kapitel 5 arbeitet Schulgesundheitspflege als Schnittstelle zwischen Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem heraus. Thematisiert werden systemische Rahmenbedingungen in Österreich, relevante Akteur*innen, Schnittstellenmanagement, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die vermittelnde Funktion der Schulgesundheitspflege. Kapitel 6 konzentriert sich auf Informationsvermittlung, Edukation und Beratung. Es umfasst Beratungstheorien, Gesprächsansätze und Praxisbeispiele zu Asthma bronchiale, Diabetes mellitus Typ 1, mentaler Gesundheit und Mobbingprävention. Kapitel 7 thematisiert Gesundheitsförderung und Prävention. Es bezieht sich auf Bildungseinrichtungen als gesundheitsförderliche Settings, den Zusammenhang von Bildung und Gesundheit, den Life-Course-Approach, den Setting-Ansatz, Partizipation und Präventionskonzepte. Kapitel 8 richtet den Blick auf vulnerable Zielgruppen, darunter Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrungen, chronischen Erkrankungen und psychischen Belastungen. Insgesamt folgt das Buch einer nachvollziehbaren inneren Logik. Es beginnt mit der beruflichen Verortung, führt über theoretische Grundlagen und Systemperspektiven und mündet schließlich in konkrete Handlungsfelder.

Neu und besonders wertvoll ist die konsequente Bündelung eines bislang noch nicht breit etablierten Berufsfeldes in einem deutschsprachigen, österreichisch gerahmten Fachbuch. Das Werk verbindet rechtliche, professionsbezogene, entwicklungspsychologische, familienzentrierte, systemische, beratungsbezogene und präventionsorientierte Perspektiven. Dadurch wird Schulgesundheitspflege nicht auf Akutversorgung im Schulalltag reduziert, sondern als komplexes Handlungsfeld mit Public-Health-, Bildungs- und Pflegebezug verstanden. Besonders überzeugend ist die Darstellung der verbindenden Rolle zwischen Kind, Familie, Schule, Gesundheitssystem, Sozialraum und weiteren Hilfesystemen. Diese Perspektive ist für die deutschsprachige Diskussion wichtig, weil sie das Tätigkeitsfeld aus einer reinen Projektlogik herauslöst und als strukturellen Bestandteil einer gesundheitsförderlichen Bildungslandschaft denkt.

Der Nutzen des Buches liegt vor allem in der systematischen Erstorientierung. Für Pflegefachpersonen, die im Setting Schule oder Kindergarten tätig werden möchten, bietet es einen fachlichen Orientierungsrahmen. Für Lehrende in Pflege- und Gesundheitsstudiengängen eignet es sich als Grundlage für Unterrichtseinheiten zu Schulgesundheitspflege, Community Health Nursing, Gesundheitsförderung, Beratung und Versorgung vulnerabler Zielgruppen. Entscheidungsträger*innen erhalten Argumentationslinien zur professionsbezogenen Einordnung und zur strukturellen Relevanz von School Health Nursing. Auch für Personen, die sich mit Schulgesundheitsfachkräften im deutschsprachigen Raum beschäftigen, ist die Publikation geeignet. Zu beachten ist jedoch, dass der Schwerpunkt klar auf Österreich liegt. Wer eine detaillierte Darstellung deutscher Modellprojekte, bundeslandspezifischer Unterschiede oder konkreter Finanzierungslogiken erwartet, erhält hierfür eher indirekte Anknüpfungspunkte als eine umfassende Bestandsaufnahme.

Das Thema ist insgesamt weit gefasst. Die Autor:innen beschränken sich nicht auf medizinisch-pflegerische Einzeltätigkeiten, sondern beziehen Entwicklungspsychologie, Familienorientierung, Systemtheorie, Beratung, Prävention, Gesundheitsförderung, Kinderschutz, chronische Erkrankungen und psychische Gesundheit ein. Diese Breite ist eine Stärke, weil sie dem komplexen Tätigkeitsprofil der Schulgesundheitspflege gerecht wird. Gleichzeitig führt sie dazu, dass einzelne Themen nur einführend behandelt werden können. Kinderschutz, Mobbingprävention, Suizidalität, Diabetes, Asthma und Schnittstellenmanagement werden sinnvoll angesprochen, jedoch nicht in der Tiefe ausgearbeitet. Das Buch ist daher weniger als abschließendes Praxishandbuch zu verstehen, sondern vielmehr als professionsbezogene Grundlegung.

Das Ziel, praxisnahe Einblicke, wissenschaftliche und theoretische Grundlagen sowie bewährte Konzepte für die Gesundheit im Setting Schule und Kindergarten bereitzustellen, wird weitgehend erreicht. Besonders überzeugend ist die Verbindung theoretischer Modelle mit konkreten schulgesundheitspflegerischen Anforderungen. Die Kapitel zu Beratung, Edukation, Gesundheitsförderung und vulnerablen Zielgruppen zeigen anschaulich, wie breit das Tätigkeitsfeld angelegt ist. Etwas weniger vollständig eingelöst wird der Anspruch hinsichtlich des Kindergartens. Obwohl der Untertitel Schule und Kindergarten gleichermaßen nennt, dominieren in vielen Kapiteln schulische Beispiele, schulische Akteur:innen und der Begriff „School Nurse“. Besonders bei den Praxisbeispielen zu Asthma, Diabetes, Mobbing und mentaler Gesundheit liegt der Fokus klar auf Schüler:innen und Schule, während kindergartenbezogene Umsetzungssituationen weniger ausgearbeitet werden. Für eine mögliche Folgeauflage wäre eine stärkere Differenzierung zwischen Kindergarten, Primarstufe und Sekundarstufe ein fachlicher Mehrwert.

Die Publikation ist übersichtlich aufgebaut. Positiv hervorzuheben sind die Lernergebnisse zu Kapitelbeginn, die klaren Zwischenüberschriften, Tabellen, Abbildungen und Zusammenfassungen. Dadurch erhält das Buch einen didaktischen Charakter, der besonders für Lehre, Weiterbildung und Selbststudium hilfreich ist. Die grafischen Elemente unterstützen das Verständnis zentraler Modelle, etwa bei Bronfenbrenner, den Gesundheitsdeterminanten, Beratungskonzepten oder Aufgabenprofilen der School Nurse. Kleinere redaktionelle Schwächen fallen demgegenüber kaum ins Gewicht, sollten in einer Folgeauflage jedoch behoben werden.

Das Thema ist hochaktuell. Die gesundheitlichen Belastungen von Kindern und Jugendlichen, die Zunahme psychischer Problemlagen, Fragen der Inklusion, chronische Erkrankungen im Schulalltag, Kinderschutz, Gesundheitskompetenz und Bildungsungleichheit machen deutlich, dass Schulen und Kindergärten nicht nur Bildungs-, sondern auch Gesundheitsorte sind. Im Vergleich zu professionspolitischen Positionspapieren, etwa des DBfK zur Schulgesundheitspflege, geht dieses Buch deutlich stärker didaktisch und theoretisch-systematisch vor. Während Positionspapiere vor allem Forderungen, Aufgabenprofile und politische Begründungen verdichten, bietet die vorliegende Publikation ein breiteres Grundlagenwerk für Ausbildung, Weiterbildung und fachliche Orientierung. Gegenüber enger gefassten Arbeiten zur Schulgesundheitspflege, etwa mit Fokus auf Covid-19, Sekundarstufe oder einzelne Modellprojekte, ist dieses Buch breiter angelegt. Es eignet sich daher besonders als Grundlagenpublikation, weniger als vertiefte Evaluation eines konkreten Modellprojekts.

Insgesamt ist „Schulgesundheitspflege“ ein wichtiger und gut strukturierter Beitrag zur fachlichen Etablierung eines zukunftsrelevanten pflegerischen Tätigkeitsfeldes. Das Buch macht sichtbar, dass Gesundheit im Bildungssetting nicht zufällig entstehen darf, sondern professionelle Strukturen, fachliche Zuständigkeiten und interdisziplinäre Kooperation benötigt. Trotz kleiner redaktioneller Schwächen und einer noch ausbaufähigen Kindergartenperspektive bietet die Publikation eine fundierte Grundlage für Pflegefachpersonen, Lehrende, Studierende und Entscheidungsträger*innen, die Schulgesundheitspflege weiterdenken, lehren oder praktisch implementieren möchten.

 

Eine Rezension von Denise Vey, 
M.A. Pflegewissenschaft

Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa Amon Schulgesundheitspflege Professionelle Gesundheits- und Krankenpflege im Setting von Schule und Kindergarten facultas, Wien 2026, 178 Seiten, 28,90 €, ISBN 978-3-7089-2635-3, E-ISBN 978-3-99180-027-9 Mit dem Werk „Schulgesundheitspflege“ greifen Hans Peter Köllner, Daniela Nitschinger und Theresa Amon ein Thema auf, das im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Mittelpunkt stehen die professionelle pflegerische Versorgung, Beratung, Gesundheitsförderung und Prävention im Lebensraum Schule und Kindergarten. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Gesundheit, Bildungsteilhabe und soziale Gerechtigkeit eng miteinander verbunden sind. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Alltags in Bildungsinstitutionen; gesundheitliche Belastungen, chronische Erkrankungen, psychische Krisen, soziale Benachteiligung oder Gewaltgefährdungen werden dort sichtbar und beeinflussen Lern- und Entwicklungschancen unmittelbar. Das Buch versteht Schulgesundheitspflege nicht als ergänzende Erste-Hilfe-Funktion, sondern als eigenständiges pflegerisches Handlungsfeld an der Schnittstelle von Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem. Gesundheit soll im Setting Schule und Kindergarten gefördert, Krankheit vorgebeugt und Gesundheitskompetenz gestärkt werden. Als Zielgruppen werden insbesondere Gesundheits- und Krankenpfleger:innen, fachlich Interessierte sowie Entscheidungsträger:innen angesprochen. Die Autor:innen sind fachlich eng im Bereich Pflegewissenschaft, Gesundheits- und Krankenpflege sowie akademischer Pflegebildung verankert. Hans Peter Köllner ist FH-Professor an der Hochschule Campus Wien, Leiter des Studienbereichs Gesundheits- und Krankenpflege und stellvertretender Studiengangsleiter Gesundheits- und Krankenpflege. Daniela Nitschinger ist stellvertretende Leiterin des Studienbereichs Gesundheits- und Krankenpflege und Senior Lecturer an der Hochschule Campus Wien. Theresa Amon ist ebenfalls Senior Lecturer und stellvertretende Studienprogrammleiterin mehrerer Masterprogramme, darunter Advanced Nursing Counseling, Advanced Nursing Education, Advanced Nursing Practice und Pflegepädagogik. Damit schreiben die Autor:innen nicht aus einer rein theoretischen Außenperspektive, sondern aus einem akademisch-professionsbezogenen Kontext heraus. Besonders relevant ist zudem, dass das Zertifikatsprogramm „Schulgesundheitspflege – School Health Nursing“ vom Department Angewandte Pflegewissenschaft der Hochschule Campus Wien entwickelt und mit der Campus Wien Academy angeboten wird. Fachlich benachbarte Publikationen bestehen unter anderem bei Theresa Amon, die an der Studie „Etablierungsprozess der Schulgesundheitspflege: Eine qualitative Studie mithilfe der Process Theory“ beteiligt war, sowie bei Hans Peter Köllner, der auch zu Pflegetheorien mittlerer Reichweite publiziert hat. Die Publikation ist deutlich im österreichischen Kontext verankert. Sie nimmt Bezug auf gesetzliche Rahmenbedingungen, professionsbezogene Entwicklungsfragen und die Etablierung von Schulgesundheitspflege in Österreich. Gleichzeitig wird der internationale Hintergrund, insbesondere die US-amerikanische Tradition des School Nursing, als Referenzpunkt herangezogen. Dadurch entsteht ein doppelter Bezugsrahmen. Einerseits wird gefragt, wie Schulgesundheitspflege in Österreich rechtlich, organisatorisch und professionell verortet werden kann und andererseits dient die internationale Entwicklung dazu, das Tätigkeitsfeld fachlich zu legitimieren und zu konturieren. Damit ist das Werk nicht nur als Lehrbuch zu verstehen, sondern auch als professionspolitischer Beitrag. Es argumentiert für die Weiterentwicklung pflegerischer Rollen im Bildungssetting und zeigt, dass Gesundheits- und Krankenpflege dort einen eigenständigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, Prävention, Gesundheitskompetenz, Inklusion und Chancengerechtigkeit leisten kann. Inhaltlich ist das Werk in acht Kapitel sowie ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis gegliedert. Kapitel 1 führt in das Tätigkeitsfeld ein, beschreibt Schulgesundheitspflege als neu zu erschließendes pflegerisches Handlungsfeld und benennt Herausforderungen sowie förderliche Maßnahmen für ihre Etablierung. Kapitel 2 behandelt gesetzliche Rahmenbedingungen, Tätigkeitsprofil, Professionalisierung und Berufsfeldentwicklung. Dabei werden berufsgesetzliche Aspekte, Professionsmerkmale und die historische Entwicklung des School Nursing, insbesondere in den USA, dargestellt. Kapitel 3 widmet sich entwicklungspsychologischen Grundlagen. Erikson, Piaget und Wygotski werden herangezogen, um kindliche und jugendliche Entwicklung für die schulgesundheitspflegerische Praxis einzuordnen. Kapitel 4 nimmt eine familienzentrierte Perspektive ein und stellt unter anderem Bronfenbrenners ökologisches Systemmodell, familienzentrierte Pflege, das Calgary-Familien-Assessment-Modell, das Calgary-Familien-Interventions-Modell sowie das 15-Minuten-Familiengespräch vor. Kapitel 5 arbeitet Schulgesundheitspflege als Schnittstelle zwischen Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem heraus. Thematisiert werden systemische Rahmenbedingungen in Österreich, relevante Akteur*innen, Schnittstellenmanagement, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die vermittelnde Funktion der Schulgesundheitspflege. Kapitel 6 konzentriert sich auf Informationsvermittlung, Edukation und Beratung. Es umfasst Beratungstheorien, Gesprächsansätze und Praxisbeispiele zu Asthma bronchiale, Diabetes mellitus Typ 1, mentaler Gesundheit und Mobbingprävention. Kapitel 7 thematisiert Gesundheitsförderung und Prävention. Es bezieht sich auf Bildungseinrichtungen als gesundheitsförderliche Settings, den Zusammenhang von Bildung und Gesundheit, den Life-Course-Approach, den Setting-Ansatz, Partizipation und Präventionskonzepte. Kapitel 8 richtet den Blick auf vulnerable Zielgruppen, darunter Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrungen, chronischen Erkrankungen und psychischen Belastungen. Insgesamt folgt das Buch einer nachvollziehbaren inneren Logik. Es beginnt mit der beruflichen Verortung, führt über theoretische Grundlagen und Systemperspektiven und mündet schließlich in konkrete Handlungsfelder. Neu und besonders wertvoll ist die konsequente Bündelung eines bislang noch nicht breit etablierten Berufsfeldes in einem deutschsprachigen, österreichisch gerahmten Fachbuch. Das Werk verbindet rechtliche, professionsbezogene, entwicklungspsychologische, familienzentrierte, systemische, beratungsbezogene und präventionsorientierte Perspektiven. Dadurch wird Schulgesundheitspflege nicht auf Akutversorgung im Schulalltag reduziert, sondern als komplexes Handlungsfeld mit Public-Health-, Bildungs- und Pflegebezug verstanden. Besonders überzeugend ist die Darstellung der verbindenden Rolle zwischen Kind, Familie, Schule, Gesundheitssystem, Sozialraum und weiteren Hilfesystemen. Diese Perspektive ist für die deutschsprachige Diskussion wichtig, weil sie das Tätigkeitsfeld aus einer reinen Projektlogik herauslöst und als strukturellen Bestandteil einer gesundheitsförderlichen Bildungslandschaft denkt. Der Nutzen des Buches liegt vor allem in der systematischen Erstorientierung. Für Pflegefachpersonen, die im Setting Schule oder Kindergarten tätig werden möchten, bietet es einen fachlichen Orientierungsrahmen. Für Lehrende in Pflege- und Gesundheitsstudiengängen eignet es sich als Grundlage für Unterrichtseinheiten zu Schulgesundheitspflege, Community Health Nursing, Gesundheitsförderung, Beratung und Versorgung vulnerabler Zielgruppen. Entscheidungsträger*innen erhalten Argumentationslinien zur professionsbezogenen Einordnung und zur strukturellen Relevanz von School Health Nursing. Auch für Personen, die sich mit Schulgesundheitsfachkräften im deutschsprachigen Raum beschäftigen, ist die Publikation geeignet. Zu beachten ist jedoch, dass der Schwerpunkt klar auf Österreich liegt. Wer eine detaillierte Darstellung deutscher Modellprojekte, bundeslandspezifischer Unterschiede oder konkreter Finanzierungslogiken erwartet, erhält hierfür eher indirekte Anknüpfungspunkte als eine umfassende Bestandsaufnahme. Das Thema ist insgesamt weit gefasst. Die Autor:innen beschränken sich nicht auf medizinisch-pflegerische Einzeltätigkeiten, sondern beziehen Entwicklungspsychologie, Familienorientierung, Systemtheorie, Beratung, Prävention, Gesundheitsförderung, Kinderschutz, chronische Erkrankungen und psychische Gesundheit ein. Diese Breite ist eine Stärke, weil sie dem komplexen Tätigkeitsprofil der Schulgesundheitspflege gerecht wird. Gleichzeitig führt sie dazu, dass einzelne Themen nur einführend behandelt werden können. Kinderschutz, Mobbingprävention, Suizidalität, Diabetes, Asthma und Schnittstellenmanagement werden sinnvoll angesprochen, jedoch nicht in der Tiefe ausgearbeitet. Das Buch ist daher weniger als abschließendes Praxishandbuch zu verstehen, sondern vielmehr als professionsbezogene Grundlegung. Das Ziel, praxisnahe Einblicke, wissenschaftliche und theoretische Grundlagen sowie bewährte Konzepte für die Gesundheit im Setting Schule und Kindergarten bereitzustellen, wird weitgehend erreicht. Besonders überzeugend ist die Verbindung theoretischer Modelle mit konkreten schulgesundheitspflegerischen Anforderungen. Die Kapitel zu Beratung, Edukation, Gesundheitsförderung und vulnerablen Zielgruppen zeigen anschaulich, wie breit das Tätigkeitsfeld angelegt ist. Etwas weniger vollständig eingelöst wird der Anspruch hinsichtlich des Kindergartens. Obwohl der Untertitel Schule und Kindergarten gleichermaßen nennt, dominieren in vielen Kapiteln schulische Beispiele, schulische Akteur:innen und der Begriff „School Nurse“. Besonders bei den Praxisbeispielen zu Asthma, Diabetes, Mobbing und mentaler Gesundheit liegt der Fokus klar auf Schüler:innen und Schule, während kindergartenbezogene Umsetzungssituationen weniger ausgearbeitet werden. Für eine mögliche Folgeauflage wäre eine stärkere Differenzierung zwischen Kindergarten, Primarstufe und Sekundarstufe ein fachlicher Mehrwert. Die Publikation ist übersichtlich aufgebaut. Positiv hervorzuheben sind die Lernergebnisse zu Kapitelbeginn, die klaren Zwischenüberschriften, Tabellen, Abbildungen und Zusammenfassungen. Dadurch erhält das Buch einen didaktischen Charakter, der besonders für Lehre, Weiterbildung und Selbststudium hilfreich ist. Die grafischen Elemente unterstützen das Verständnis zentraler Modelle, etwa bei Bronfenbrenner, den Gesundheitsdeterminanten, Beratungskonzepten oder Aufgabenprofilen der School Nurse. Kleinere redaktionelle Schwächen fallen demgegenüber kaum ins Gewicht, sollten in einer Folgeauflage jedoch behoben werden. Das Thema ist hochaktuell. Die gesundheitlichen Belastungen von Kindern und Jugendlichen, die Zunahme psychischer Problemlagen, Fragen der Inklusion, chronische Erkrankungen im Schulalltag, Kinderschutz, Gesundheitskompetenz und Bildungsungleichheit machen deutlich, dass Schulen und Kindergärten nicht nur Bildungs-, sondern auch Gesundheitsorte sind. Im Vergleich zu professionspolitischen Positionspapieren, etwa des DBfK zur Schulgesundheitspflege, geht dieses Buch deutlich stärker didaktisch und theoretisch-systematisch vor. Während Positionspapiere vor allem Forderungen, Aufgabenprofile und politische Begründungen verdichten, bietet die vorliegende Publikation ein breiteres Grundlagenwerk für Ausbildung, Weiterbildung und fachliche Orientierung. Gegenüber enger gefassten Arbeiten zur Schulgesundheitspflege, etwa mit Fokus auf Covid-19, Sekundarstufe oder einzelne Modellprojekte, ist dieses Buch breiter angelegt. Es eignet sich daher besonders als Grundlagenpublikation, weniger als vertiefte Evaluation eines konkreten Modellprojekts. Insgesamt ist „Schulgesundheitspflege“ ein wichtiger und gut strukturierter Beitrag zur fachlichen Etablierung eines zukunftsrelevanten pflegerischen Tätigkeitsfeldes. Das Buch macht sichtbar, dass Gesundheit im Bildungssetting nicht zufällig entstehen darf, sondern professionelle Strukturen, fachliche Zuständigkeiten und interdisziplinäre Kooperation benötigt. Trotz kleiner redaktioneller Schwächen und einer noch ausbaufähigen Kindergartenperspektive bietet die Publikation eine fundierte Grundlage für Pflegefachpersonen, Lehrende, Studierende und Entscheidungsträger*innen, die Schulgesundheitspflege weiterdenken, lehren oder praktisch implementieren möchten.   Eine Rezension von Denise Vey, M.A. Pflegewissenschaft Ihr Update für die Pflegeforschung Vertiefen Sie Ihr Fachwissen mit einem Abo der Zeitschrift Pflegewissenschaft: aktuelle Forschung, praxisrelevante Erkenntnisse und Online-Zugang zum kompletten Archiv seit der ersten Ausgabe. Jetzt Abo sichern! Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie... News Aus Forschung und Wissenschaft Aus den Fachgesellschaften Förderprogramme Rezensionen
Multimodale Schmerztherapie in der Pflege

 
 Rudolf Likar, Günther Bernatzky, Svetlana Geyrhofer, Bärbl Buchmayr (Hrsg.)
 
 Springer Berlin, Heidelberg, 1. Auflage 2025, 507 Seiten, 49,99 € (Print) / 39,99 € (E-Book), ISBN 978-3-662-68955-4 (Print) / 978-3-662-68956-1 (E-Book)
 
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