Skip to Content

Das Hospital am Beginn der Neuzeit (Rezension)

Arnd Friedrich, Fritz Heinrich, Christina Vanja: Das Hospital am Beginn der Neuzeit Michael Imhof Verlag. Petersberg 2004, 316 Seiten, gebunden, 29,90 € - ISBN 3-86568-001-1Rezension von: Dr. Hubert KollingIm Jahre 2004 wurde in Hessen mit zahlreichen Veranstaltungen dem 500. G
February 20, 2014 by
Das Hospital am Beginn der Neuzeit (Rezension)
Andreas Lauterbach

Arnd Friedrich, Fritz Heinrich, Christina Vanja: Das Hospital am Beginn der Neuzeit

 

Michael Imhof Verlag. Petersberg 2004, 316 Seiten, gebunden, 29,90 € - ISBN 3-86568-001-1

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Im Jahre 2004 wurde in Hessen mit zahlreichen Veranstaltungen dem 500. Geburtstag von Landgraf Philipp dem Großmütigen gedacht. Mit vier Jahren hatte er sein Erbe angetreten und mit der Volljährigkeitserklärung durch den Kaiser wurde er mit knapp 15 Jahren Regent. Er regierte das neue Hessen bis zu seinem Lebensende 1567. Das bewegende Lebensmotiv des Landgrafen und Motor seiner Lebensleistung war die neue Glaubenslehre Martin Luthers. Die Durchsetzung der Reformation in seinem Land seit 1526 führten in den 30er Jahren auch zu einem neuen hessischen Bildungssystem von Schulen für Mädchen und Jungen auf dem Land, akademisch ausgebildeten Lehrern, dem Pädagogium, dem heutigen Gymnasium Phlippinum und einer neuen Landesuniversität in Marburg. Auf einem Landtag in Kassel waren hierzu 1527 freilich nicht nur konkrete Richtlinien zur Durchführung der einzelnen Reformschritte beschlossen worden, sondern auch die Säkularisierung der Klöster. Mit der Stiftung von vier so genannten Hohen Hospitälern in den aufgehobenen Klöstern Haina bei Marburg, Merxhausen bei Kassel, Gronau bei St. Goar und der Pfarrei Hofheim bei Darmstadt wurden zwischen 1533 und 1542 erstmals Pflegeeinrichtungen geschaffen, die keineswegs nur für psychisch Kranke und geistig Behinderte gedacht waren, sondern allgemein der Krankenversorgung und der Fürsorge „für die bresthaftigen Menschen“ dienen sollten. Je zwei Hospitäler waren dabei für Frauen (Merxhausen und Hofheim) und zwei für Männer (Haina und Gronau) bestimmt worden.

Mit den Zielen, die Philipp des Großmütigen mit seinen Maßnahmen verfolgte, beschäftigte sich das interdisziplinäre Kolloquium „Das europäische Hospital am Beginn der Neuzeit“, das der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) – der drei der besagten Hospitäler als Zentren für Soziale Psychiatrie noch heute betreibt – vom 27. bis 29. September 2003 in Haina (Kloster) und Frankenberg (Eder) veranstaltete. Im Zentrum dieser Tagung standen dabei der europäische Bezugsrahmen des frühneuzeitlichen Hospitals in Hessen, sozial-, rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Aspekte, die Binnenstruktur der Hospitäler, aber auch theologie-, literatur- und kunstgeschichtliche Fragestellungen. Waren es beispielsweise rein religiöse Motive oder mehrheitlich landespolitische Absichten? Zeigt das europäische Hospital im Spiegel seiner Gründer im 16. Jahrhundert einen karitativen Auftrag zum Wohl der Armen und Bedürftigen oder erste Impulse zur Sozialfürsorge durch die Obrigkeit?

Arnd Friedrich, Fritz Heinrich und Christina Vanja haben die Kolloquiumsbeiträge zu einem Buch zusammengefasst und unter dem Titel „Das Hospital am Beginn der Neuzeit“ herausgegeben. Die in solider Ausstattung vorgelegte Veröffentlichung, die mit zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen illustriert wird, gliedert sich in die folgenden sechs Kapitel, die ihrerseits jeweils drei bis sechs Beiträge in sich vereinen:

Die Stiftung der Hohen Hospitäler zwischen Mittelalter und Neuzeit

Rechtsgrundlagen, Verwaltung und Finanzwirtschaft der Hohen Hospitäler

Hospitäler im frühneuzeitlichen Europa

Medizinische Versorgung in der Frühen Neuzeit

Patienten im Hospital

Krankenversorgung als Thema der Kultur- und Kunstgeschichte.

Durch die einzelnen Beiträge erhalten sowohl sachkundige Leser als auch interessierte Laien einen Überblick über Hospitäler am Beginn der Frühen Neuzeit wie eine Einführung in die hessischen Hohen Hospitäler. Das Spektrum der Beiträge, die durchgängig von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stammen, ist dabei breit gestreut. So kann man sich über die Geschichte des Frankfurter Kastenhospitals und der Bamberger Bürgerspitäler kundig machen oder sich über Hospitäler in der Schweiz informieren lassen. Auch der europäische Aspekt der Tagung kommt nicht zu kurz, da Erfahrungen aus der französischen, spanischen und englischen Hospitalgeschichte ebenso bereitgestellt werden wie die Niederlande und Österreich mit Beiträgen vertreten sind. Somit vermittelt der in der „Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen; Quellen und Studien“ erschienene Band eine umfassende Grundlage für die gesamteuropäische geschichtliche Betrachtung des frühneuzeitlichen Hospitalwesens. Den materialreichen Band werden alle mit großem Genuss lesen, die sich für die historische Entwicklung des Hospitals im Allgemeinen und in Hessen im Besonderen interessieren.

„Ich tat nur meinen Dienst“ (Rezension)
Gerhard Fürstler und Peter Malina: „Ich tat nur meinen Dienst“ Facultas Verlag. Wien 2004, 394 S., broschiert, 29,90 Euro. ISBN 3-85076-619-5Rezension von: Dr. Hubert KollingDie Geschichte der Medizin während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist in den letzten z