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Das Krankenhauswesen in Hameln seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts (Rezension)

Das Krankenhauswesen in Hameln seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts (Kumm, Renate )Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2000,2., durchgesehene Auf., 218 S., broschiert, 40,00 € - ISBN 3-631-35861-X Rezension von: Dr. Hubert Kolling Während zur (allgemeinen) Geschichte des Kra
May 25, 2013 by
Das Krankenhauswesen in Hameln seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts  (Rezension)
Andreas Lauterbach

Das Krankenhauswesen in Hameln seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts (Kumm, Renate
)

Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2000,2., durchgesehene Auf., 218 S., broschiert, 40,00 € - ISBN 3-631-35861-X

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Während zur (allgemeinen) Geschichte des Krankenhauswesens in Deutschland inzwischen eine Reihe bedeutender Arbeiten vorliegen, mangelt es nach wie vor an Untersuchungen zu einzelnen Anstalten. Renate Kumm hat nun eine lokale Studie vorgelegt, in der sie eindrucksvoll die Entwicklung der beiden Krankenhäuser in Hameln, des Städtischen und des Kreiskrankenhauses, aufzeigt. Dabei kennt die Autorin ihren Forschungsgegenstand sehr genau, war sie doch vor ihrem Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Hannover von 1951 bis 1993 in den beiden Krankenhäusern tätig, davon 38 Jahre in Führungspositionen als Leitende Unterrichtsschwester der Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule, der Schule für Krankenpflegehilfe und der Schwesternvorschule, als Pflegedienstdirektorin, als Leiterin der Fortbildungsakademie für den Pflegedienst und als gleichberechtigtes Mitglied der Krankenhausleitung.

Informativ und spannend zugleich beschreibt Renate Kumm in ihrem Buch, dem ihre gleichnamige Magisterarbeit zu Grunde liegt, unter Berücksichtigung der allgemeinen politischen Entwicklung, des medizinischen und technischen Fortschritts, aber auch der Professionalisierung von Pflege- und Heilberufen, den mühsamen Weg "vom helfen wollen zum heilen können". Um die Geschichte des Krankenhauswesens in Hameln besser zu verstehen, gibt sie zunächst einen kurzen Überblick über die Geschichte der Stadt im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, wobei sie insbesondere das frühere Hospitalwesen beleuchtet. Im Jahre 1834 kam es zur Gründung des ersten Stadtkrankenhauses in Hameln, dessen Entwicklung die Autorin bis 1923 beschreibt. Wie sie hierbei zeigt, führten im 19. Jahrhundert die gemeinsame Unterbringung von Armen, Kranken und Waisenkindern in einem Haus und die hygienischen Verhältnisse, die keineswegs den Anforderungen der damaligen Zeit gerecht wurden, immer wieder zu heftigen Diskussionen und der Forderung nach einem Neubau, der schließlich 1890/91 verwirklicht wurde. Mit der Pflege der Kranken sah es bis dahin "nicht gut aus", indem jeweils nur eine bezahlte "Wärterin" ohne jede Ausbildung zur Verfügung stand, die auch noch häufig wechselte. 1904 wurden zur Leitung der Krankenpflege und der Wirtschaftsbereiche eine leitende Schwester sowie zwei Krankenschwestern des Clementinenhauses vom Roten Kreuz in Hannover eingesetzt, die gleichzeitig die Verwaltungsaufgaben erledigte. Damit war in Zukunft die fachgerechte Pflege der Patienten gesichert, genossen doch die Rotkreuzschwestern schon zur damaligen Zeit eine gute Ausbildung. Interessant für die Pflegegeschichte sind hier auch Einzelheiten aus dem am 15. Oktober 1891 in Kraft getretenen Vertrages mit dem Clementinenhaus. Demnach erhielten die Schwestern beispielsweise freie Station, Wäschereinigung, ein beheizbares, verschließbares Schlafzimmer und ein gemeinsames Ess- und Wohnzimmer. Im Erkrankungsfall wurden die Schwestern bis zu dreizehn Wochen unentgeltlich im Krankenhaus gepflegt, im Todesfalle übernahmen Krankenhaus und Mutterhaus die Kosten zu gleichen Teilen. Die Schwestern erhielten jährlich vier Wochen Urlaub, und jeden zweiten Sonntag wurde ihnen Freizeit zum Gottesdienst gewährt.

Während das erste Stadtkrankenhaus zur Zeit des Königreichs Hannover und das zweite zur Kaiserzeit entstanden waren, fiel die Einrichtung des Kreiskrankenhauses (ab 1921) in die Zeit der Weimarer Republik, die nach beendeter Inflation eine Epoche des Aufbruchs und des Neubeginns erlebte. Die Ausführungen in diesem Kapitel sind insgesamt recht knapp und beziehen sich ausschließlich auf den medizinischen Sektor. Hier besteht für den Pflegesektor noch Forschungsbedarf. Wesentlich ausführlicher beschreibt Renate Kumm sodann die Versuche, die beiden Krankenhäuser vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenzulegen; Erfolg hatten diese Bemühungen erst im Zusammenhang mit der Gebiets- und Kreisreform im Jahr 1973. Ein eigenes Kapitel widmet die Autorin auch den Hamelner Krankenhäuser im Zweiten Weltkrieg. Wie ihre diesbezüglichen Ausführungen zeigen, nahm die Versorgung der verwundeten Soldaten eine große Anzahl von Ärzten und Pflegepersonen in Anspruch, die in den Krankenhäusern fehlten. Während der Mangel an Pflegepersonal nach Ansicht der Autorin "verhältnismäßig leicht durch die Kurzausbildung von Rotkreuzhelferinnen ausgeglichen werden" konnte, sei dies bei den Ärzten, "die oft bis an die Grenze ihrer Leistungskraft arbeiten mussten", schwieriger gewesen. In weiteren Kapiteln widmet sich Renate Kumm unter anderem der Krankenpflege und ihrer Ausbildung in den Hamelner Krankenhäusern bis 1972, den Zentralisierungsmaßnahmen in dem gemeinsamen Kreiskrankenhaus nach der Gebietsreform im Jahr 1973 und den Professionalisierungsbestrebungen in der Krankenpflege, der Einrichtung neuer Disziplinen im Kreiskrankenhaus Hameln sowie dem medizinischen Fortschritt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und seinen Auswirkungen auf das Krankenhaus. Ergänzt wird die Darstellung durch einen ausführlichen Anhang mit einer Reihe zeitgenössischer Abbildungen, Lageplänen und Dokumente sowie einem Quellen- und Literaturverzeichnis.

Für ihre Ausführungen hat sich die Autorin auf die einschlägige Sekundärliteratur gestützt, aber auch umfangreiche unveröffentlichte Quellenbestände unter anderem aus dem Stadtarchiv Hameln, dem Archiv des Kreises Hameln-Pyrmont, dem Archiv des Gesundheitsamtes Hameln und dem Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv Hannover ausgewertet und im Rahmen der "oral history" Zeitzeugen befragt. Mit ihrem beachtenswerten Buch, das viele Details zur Medizin- wie Pflegegeschichte enthält und damit wesentlich den akademischen Recyclinghof bereichert, hat Renate Kumm nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Stadt- und Kreisgeschichte von Hameln vorgelegt, ihre lokal- wie regionalgeschichtliche Studie ist auch überregional von Bedeutung, zumal die deutsche Krankenhausforschung noch zahlreiche Lücken aufweist.

Totenruhe – TotentruheSärge aus vier JahrhundertenAusstellungskatalog herausgegeben vom Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel (Rezension)
Totenruhe – Totentruhe Särge aus vier Jahrhunderten Ausstellungskatalog herausgegeben vom Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel (Sörries, Reiner) Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Kassel 2004, 72 S., kartoniertRezension von: Dr.