Den Krieg überwinden |
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Bislang ist es nicht gelungen, den Krieg und â âFragen Sie ihren Arzt oder Apothekerâ â seine Auswirkungen auf unser Leben zu überwinden. Noch immer prägen Gewalt, Unterdrückung, Aufrüstung und Hass in vielen Regionen der Welt den Alltag. Es scheint, als hätten die Menschen auch nichts aus den beiden Weltkriegen und dem damit verbundenen millionenfachen Leid und Tod gelernt. Dabei darf freilich nicht übersehen werden, dass es neben todbringenden Kräften immer auch Persönlichkeiten, Gruppen, Organisationen und Institutionen gab, die Krieg verhindern und Frieden fördern wollten. Da sie zumeist auf verlorenem Posten standen, verdient ihr Bemühen, einen Beitrag zur friedlichen Beilegung von Konflikten und zur Verständigung zu leisten, um so mehr Beachtung, Anerkennung und Wertschätzung. Denn nicht dem Krieg, der Gewalt und Zerstörung gehört die Zukunft, sondern denen, die dem Freund-Feind-Denken widersprechen und dem Kriegswagen, wo immer er in Bewegung gesetzt wird, entschlossen in die Speichen fallen. Unzweifelhaft kann hier die Geschichtsschreibung helfen, den Menschen und der Politik neue Wege zu weisen. Indem sie den Spuren der Friedensstreiter nachgeht und aufzeigt, in welchem Maà ihr Engagement es verdient, als vorbildlich zu gelten, trägt sie dazu bei, dem Frieden zum Durchbruch zu verhelfen. Zugleich bewahrt sie das Andenken an jene, die Zivilcourage gezeigt und sich dem Gedanken und der Tat verschrieben haben, Leben zu retten, anstatt es zu zerstören.
Nun mag die Rezension eines Buches zum Thema Krieg und Frieden die geneigte Leserschaft der âPrinterNet â Die Zeitschrift für Pflegewissenschaftâ zunächst vielleicht überraschen. Bei genauerer Betrachtung wird sich aber schnell herausstellen, dass die Besprechung auch in einem solchen Medium am richtigen Platz ist, kommt der Krankenpflege doch gerade in Kriegszeiten eine ganz besondere Bedeutung zu. Zudem ist der Autor Dieter Riesenberger aufgrund seiner Publikationen einer an Fragen der Medizin- und Pflegegeschichte interessierten Ãffentlichkeit bestens bekannt. Zu erwähnen sind hier insbesondere seine beiden Monographien âFür Humanität in Krieg und Frieden. Das Internationale Rote Kreuz 1863-1977â (Göttingen 1992) und âDas Deutsche Rote Kreuz. Eine Geschichte 1864-1990â (Paderborn 2002).
Darüber hinaus verdanken wir Dieter Riesenberger, der von 1981 bis 1998 als Professor für Zeitgeschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität-Gesamthochschule Paderborn lehrte und über Jahrzehnte hinweg sein Forschungsinteresse auf das groÃe Thema âFrieden in der Geschichteâ richtete, bahnbrechende Arbeiten und Studien zu wichtigen Aspekten der Geschichte des Pazifismus und Militarismus. Ein Teil dieser Untersuchungen, insgesamt achtzehn Beiträge, die zuvor an verschiedenen Stellen veröffentlicht wurden, sind in dem vorliegenden Sammelband vereint. Im Mittelpunkt der Darstellung steht dabei zumeist die Geschichte âkleiner Leuteâ, die gegen den Strom geschwommen sind, sich die christliche Friedensbotschaft zur Herzenssache machten, sich gegen den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln in modernen Kriegen wandten oder sich als Krankenschwestern dafür einsetzten, den Opfern zu helfen und beizustehen. Zugleich erinnert der Autor an Persönlichkeiten, die sich gegen Antisemitismus und Intoleranz sowie für deutsch-französische und deutsch-polnische Aussöhnung zu einem Zeitpunkt starkgemacht haben, als dazu noch Mut, Unerschrockenheit und Zivilcourage gehörten.
Unter engerer pflegehistorischer Sicht verdienen die folgenden drei Beiträge besondere Beachtung:
- Zur Geschichte der Schwestern vom Roten Kreuz 1864-1918 (Seite 89-106 und Seite 381-384)
- Das Internationale Rote Kreuz â ein Friedensfaktor in der Welt (Seite 152-162) und
- Die Tätigkeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg (1918/19-1924) (Seite 163-179 und Seite 395-398).
- a) das Mutterhaus als Erziehungsstätte
- b) die Krankenpflege als bürgerlicher Beruf
- c) die âMilitarisierungâ der weltlichen Krankenpflege.
Anlässlich seines hundertjährigen Bestehens erhielt das Internationale Rote Kreuz im Jahre 1963 den Friedensnobelpreis. Zuvor war bereits das Wirken Henry Dunants mit dem gleichen Preis gewürdigt worden (1907), und in den Jahren 1917 und 1944 wurde dem Internationalen Komitee für seine Hilfstätigkeit in den beiden Kriegen ebenfalls der Friedensnobelpreis zuerkannt. Im zweiten Beitrag, âDas Internationale Rote Kreuz â ein Friedensfaktor in der Weltâ, beschäftigt Dieter Riesenberger sich mit der Frage, inwieweit die Vergabe gerechtfertigt war, das heiÃt inwieweit das Internationale Rote Kreuz in seiner langen Geschichte tatsächlich einen unverwechselbaren und spezifischen Beitrag zur âVerbrüderung der Völkerâ, zur Verminderung oder Beseitigung der Streitkräfte und zur Verbreitung des Friedensgedankens geleistet hat. Hierbei gelangt der Autor zu dem Ergebnis, dass das Internationale Rote Kreuz â trotz aller Fehler, Versäumnisse und Unzulänglichkeiten â âein unentbehrlicher Faktor des Friedens in der Weltâ (Seite 162) ist.
In dem dritten Beitrag stellt Dieter Riesenberger âDie Tätigkeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg (1918/19-1924)â vor. Hierbei würdigt er vor allem die Leistungen der Organisation im Hinblick auf die Heimführung der Kriegsgefangenen, die Auseinandersetzungen um Oberschlesien und sein Verhalten im Krisenjahr 1923. Nach Ansicht des Autors bedeutete für das nach dem Ersten Weltkrieg fast völlig isolierte Deutschland die Bereitschaft des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, in schwierigen politischen Situationen zu vermitteln und seine moralische Autorität auch für den Verlierer des Weltkrieges einzusetzen, âeine willkommene und kaum zu überschätzende Hilfeâ (Seite 179).
Insgesamt betrachtet hat Dieter Riesenberger ein spannend zu lesendes und zugleich bedeutendes Buch vorgelegt, in dem er seiner Leserschaft die Ursachen friedensgefährdender beziehungsweise friedenssichernder Politik aufzeigt. Die vermittelnden Einsichten weisen dabei einer Traditionsbildung den Weg, die sich der Aufklärung und dem Frieden verpflichtet weià â gegen Krieg, Gewalt, Gleichgültigkeit sowie Heuchelei â und damit letztlich unserer aller Gesundheit dient.