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Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana<br> Mit einer Kurzstudie vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V. Herausgegeben von Mathias Bröckers (Rezension)

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana Mit einer Kurzstudie vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V. Herausgegeben von Mathias Bröckers (Herer, Jack)Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1993, 464 S. - ISBN 3-86150-026-4Rezension von
May 25, 2013 by
Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana<br>
Mit einer Kurzstudie vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V. Herausgegeben von Mathias Bröckers
 (Rezension)
Andreas Lauterbach

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana
Mit einer Kurzstudie vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V. Herausgegeben von Mathias Bröckers (Herer, Jack)

Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1993, 464 S. - ISBN 3-86150-026-4

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

"Für dieses Buch musste kein Baum gefällt werden. Es ist, neben einem Anteil Altpapier, aus einer Pflanze hergestellt, die um ein Vielfaches schneller als Bäume: Cannabis sativa - Hanf." Mit diesen beiden Sätzen beginnt die Einleitung zu dem vorliegenden Buch, in dem in immer wieder neuen Anläufen Hanf als wahre Umwelt-Wunderpflanze beschrieben wird, die zum Beispiel zur Herstellung von Kleidung, Ölen, Papier, Kosmetika oder Dämmmaterial, bestens geeignet sei. "Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf" ist dabei nicht nur ein Plädoyer für die Rehabilitation einer geächteten Kulturpflanze, das Buch setzt die ausführlich geschilderten Vorzüge der auch unter dem Begriff Cannabis bekannten Gattung in einem Punkt konsequent und anschaulich um. Das Hanfbuch ist laut Verlag das wohl erste Werk in der deutschen Nachkriegsgeschichte, das auf Hanfpapier gedruckt wurde, genauer gesagt auf einer Papiermischung bestehend aus 50 Prozent Hanf und 50 Prozent entfärbtem Recycling-Papier. Der benötigte Zellstoff musste damals aus Spanien importiert werden, da der Deutsche Bundestag im Jahre 1982 - da aus Hanf auch Haschisch und Marihuana gewonnen werden können - jeglichen Anbau dieser in Indien und auch in Europa schon seit einigen Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzten Pflanze gesetzlich untersagt hatte.

Beim ersten Teil des Buches handelt es sich um eine ergänzte Übersetzung der erstmals 1985 erschienenen Veröffentlichung "Hemp & The Marijuana Conspiracy: The Emperor Wears No Clothers" von Jack Herer, die sich mit ihrer erstaunlichen Geschichte des Hanfs und der Schilderung der industriepolitischen Hintergründe der modernen Hanfprohibition als Teil der amerikanischen "Legalize it"-Bewegung versteht. Wie der Autor in seinem Vorwort schreibt, hofft er, dass seine Ausführungen "allen Menschen die Augen darüber öffnen wird, was es mit Cannabis - Marihuana - Hanf wirklich auf sich hat, dass das Verbot dieser Pflanze ein Verbrechen an der Menschheit ist und dass wir alle dazu beitragen sollten, dieses Verbot zu Fall zu bringen" (S. 20). Jack Herer, Gründer und Vorsitzender von HEMP (Help End Marijuana Prohibition), fordert dabei "im Namen der Gerechtigkeit" die Aufhebung aller (straf- und zivilrechtlichen) Strafen, ebenso wie die Billigung des Anbaus und Gebrauchs dieser bemerkenswerten Pflanze - zum Rauchen und zu anderen Zwecken. Ferner, so Jack Herer, müssten Gefängnisinsassen, die wegen des Besitzes, Verkaufs, Transports oder des Anbaus von Cannabis verurteilt wurden, umgehend entlassen werden. Schließlich sollte, so eine weitere Forderung des Autors, in diesem Zusammenhang beschlagnahmtes Geld und Eigentum zurückgegeben, Strafakten vernichtet und für verbüßte Strafen Wiedergutmachungen gezahlt werden.

Mathias Bröckers, Herausgeber des Hanf-Buches, schildert im zweiten Teil des Buches die europäischen und besonders die deutsche Geschichte der Hanfnutzung und ihren Niedergang im Zuge der industriellen Revolution. Wie der Autor anschaulich belegt, verdrängten billige Ersatzfasern aus den Kolonien der so genannten Dritten Welt, säurehaltiges Papier aus Holz, die petrochemischen Kunstfasern der I.G. Farben und pharmazeutische Wunderdrogen wie das von der Firma Bayer entwickelte Heroin zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Hanf als universellen Lieferanten von Kleidung, Papier, Nahrung und Medikamenten. Freilich unbekannt dürfte vielen Zeitgenossen die gelieferten Informationen sein, nach denen sich Hanf in Kriegszeiten nach wie vor als unverzichtbar erwies. So propagierte während des Nationalsozialismus der "Reichsnährstand" den Anbau des universell nutzbaren Rohstoffs mit einer - hier in voller Länge dokumentierten - "Lustigen Hanffibel", und in den USA forderte die Regierung ungeachtet eines kurz zuvor ergangenen Verbots ihre Farmer 1942 auf, "Hanf für den Sieg!" anzubauen. Am Ende seiner Ausführungen fordert Mathias Bröckers ebenfalls eine Reform des Betäubungsmittelgesetzes beziehungsweise die Aufhebung der gesetzlichen Diskriminierung der Hanfpflanze (S. 292).

Der dritte Teil des Buches dokumentiert eine speziell für die vorliegende Publikation in Auftrag gegebene "Hanfstudie" des Kölner Instituts für angewandte Umweltforschung Katalyse, die anhand von Pflanzendaten eine Ertragsbilanz von Hanf im Vergleich mit konkurrierenden Nutzpflanzen zieht. Die Autoren gelangen dabei zu dem Ergebnis, dass es sich bei Hanf um eine der ertragreichsten, landwirtschaftlich vorteilhaftesten und vielseitigsten Nutzpflanze in unserer geografischen Zone handelt, die hochwertige Rohstoffe für die Textil-, Papier-, Pflanzenöl- und Pharmaindustrie liefern könnte.

Ergänzt wird das binnen eines Jahres in der 21. Auflage erschienene Buch durch eine Reihe relevanter Dokumente und Materialien zum Thema. Wenngleich die Autoren ihrer Leserschaft eine sehr einseitige Darstellung liefern, in der ein so wichtiger Bereich wie die Suchtproblematik so gut wie vollkommen ausgeklammert wird, handelt es sich bei der Veröffentlichung um eine interessante Lektüre, die künftige Debatten um die internationale Hanfprohibition stark beeinflussen wird.

Ambulante Pflege<br> Die Pflege gesunder und kranker Menschen<br> Band 3: Familienpflege - Management - Bildung (Rezension)
Ambulante Pflege Die Pflege gesunder und kranker Menschen Band 3: Familienpflege - Management - Bildung (Herold, Eva Elisabeth (Hrsg.))Schlütersche, Hannover, 2002. 2., überarb. und erg. Aufl. 928 Seiten, 249 meist dreifarbige Abb., 54,90 € - ISBN 3-87706-664-X Rezension von: