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Ethische Aspekte pflegerischen Handelns<br> Konfliktsituationen in der Alten- und Krankenpflege (Rezension)

Ethische Aspekte pflegerischen Handelns Konfliktsituationen in der Alten- und Krankenpflege (Richter, Jörg, Astrid Norberg und Ute Fricke (Hrsg.))Schlütersche, Hannover, 2002, 112 S., 24,90 € - ISBN 3-8770-683-6Rezension von: Paul-Werner Schreiner Mit dem vorliegenden Buch re
May 25, 2013 by
Ethische Aspekte pflegerischen Handelns<br>
Konfliktsituationen in der Alten- und Krankenpflege (Rezension)
Andreas Lauterbach

Ethische Aspekte pflegerischen Handelns
Konfliktsituationen in der Alten- und Krankenpflege (Richter, Jörg, Astrid Norberg und Ute Fricke (Hrsg.))

Schlütersche, Hannover, 2002, 112 S., 24,90 € - ISBN 3-8770-683-6

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Mit dem vorliegenden Buch reiht sich ein Weiteres in die Reihe der Bücher zum Themenkreis "Pflege und Ethik" ein. Derjenige, der das publizistische Geschehen in diesem Detailgebiet in den letzten Jahren verfolgt hat, war gespannt, welche neuen Aspekte aufgezeigt werden. Merkwürdig mutet schon an, dass der Erstherausgeber im Vorwort darüber berichtet, dass er als klinischer Psychologe angefragt worden sei, ein Buch zu diesem Thema herauszugeben. Die Fragen, die ihm angesichts einer solchen Anfrage gekommen sind, sind wohl berechtigt; die Begründung, weshalb er den Auftrag dann doch annimmt ("Die Schwestern meiner Station unterstützten mich"- immerhin nicht "meine Schwestern", in der Sache dürfte es aber nicht weit davon entfernt sein) stellt möglicher Weise ein echtes berufsethisches Problem der Pflege dar, das aber leicht nachvollziehbar nicht weiter thematisiert wird.

Das Buch wird durch Ausführungen des Rostocker Philosophen Heiner Hastedt zu "Ethik in der Pflege" eingeleitet. Diese Einleitung ist überaus lesenswert, auch wenn ein Deutschlehrer sagen würde: "Thema verfehlt". Haststedt stellt kluge Erwägungen zu den Möglichkeiten und vor allem den Grenzen der Ethik als einer philosophischen Disziplin in der Moderne an. Als Themen der Medizinethik identifiziert er sachgerecht die Probleme am Lebensanfang und am Lebensende. Sympathisch ist die dargelegte Grundüberzeugung, dass die Reflexion über die bestehenden Probleme ergebnisoffen sein müsse, was er dann - negativ - an der Debatte um Peter Singer aufzeigt. Für den philosophisch nicht belesenen Leser wird es an einigen Stellen schwierig sein, den Ausführungen zu folgen, da bestimmte Diskussionsstränge als bekannt vorausgesetzt werden.

Es folgen Ausführungen der Mitherausgeberin Astrid Norberg, Pflegeprofessorin in Schweden, zur Pflegeethik. Bei noch so feinsinniger Haarspalterei ist es dem Rezensenten nicht klar geworden, worin der Unterschied zwischen den Ausführungen zu "Ethik in der Pflege" und zu "Pflegeethik" besteht. Auch der Aufsatz von Norberg enthält mehr allgemeine Ausführungen zur Ethik, wobei die Autorin im Besonderen auf die Tugendethik abhebt. Die Ausführungen werden immer wieder an Situationen der Pflege exemplifiziert. De Aufsatz ist vor allem deshalb lesenswert, weil die Autorin herausarbeitet, dass es zur Beantwortung vieler ethischer Fragen gerade im Bereich der Gesundheitsversorgung unabdingbar notwendig ist, "über die vorethische Frage nach(zu)denken, wie wir das Leben wahrnehmen und wie wir die Frage beantworten: Was bedeutet es ein Mensch zu sein".

Es folgen jetzt aus der Feder von Krankenschwestern eine ganze Reihe von kurzen Schilderungen über "Ethische Konflikte bei pflegerischen Tätigkeiten" und "Ethische Konflikte in der Alten- und Krankenpflege in ausgewählten medizinischen Disziplinen". Es werden zum größten Teil Situationen des alltäglichen klinischen Wahnsinns geschildert, der für Pflegende fast immer mit Konflikten verbunden ist. Ich will mir an dieser Stelle ersparen, einzelne Ausführungen zu karikieren. Viele Konflikte haben mit Ethik einfach nichts zu tun - wenn z.B. eine Ärztin ein Röntgenbild vermisst und die Krankenschwester nicht bereit ist, dieses Röntgenbild jetzt zu suchen, ist dies kein ethisches Problem, sondern lediglich eine organisatorische Fehlleistung der Krankenhausleitung, die Zuständigkeiten nicht eindeutig geklärt hat. Auch wenn eine Leitende Krankenschwester einer Station eine junge Krankenpflegeschülerin ohne Vorbereitung bei einem jungen Mann eine Ganzkörperwäsche durchführen lässt, hat das mehr mit Betriebsblindheit, Abgestumpftsein oder schlichter Dummheit als mit Ethik zu tun. Es würde vermutlich manches nicht geschrieben bzw. in diesem Buch veröffentlicht worden sein, wäre in einem einleitenden Aufsatz in der Tat einmal gründlich geklärt worden, um was es sich bei "Ethik in der Pflege" handelt. Auch werden die Storys mit den wie auch immer gefundenen Lösungen einfach so erzählt; dabei gehört es zu den Grundlagen einer philosophischen Ethik, Konflikte hinsichtlich ihrer Bestandteile genau zu analysieren und zu systematisieren, um daraus dann Schlussfolgerungen im Hinblick auf ähnliche Situationen zu ziehen. Dies wird an keiner Stelle geleistet; die Storys stehen einfach so da - die am Seitenrand zum Verweis aufgeführten zentralen Begriffe der Ethik ändern an dieser Feststellung auch nichts, zumal die Zuordnung dieser Begriffe nicht immer ganz plausibel ist.

Die in den Kurzberichten entfaltete Ethik, man könnte sie eine "Ethik aus dem Bauch" nennen, entspricht einem Bild von Pflege, wie es in dem Buch gezeichnet wird. Weder den Herausgebern noch den Autoren noch dem Lektor ist aufgefallen, dass es schon für sich ein Problem darstellt, die Pflegenden nicht mit ihrer korrekten Berufsbezeichnung zu nennen - es wird nur von Schwestern und Pflegern gesprochen; ein Krankenpfleger stellt sich mit "Pfleger Uwe" vor, die Krankenpflegeschülerin ist "Krankenschwesternschülerin" - es fehlt nur noch die "Lernschwester" -, dafür gibt es aber - und das hat schon was angesichts der Tatsache, dass das Buch im Jahr 2002 erschienen ist - noch "Lehrschwestern", dabei ist schon die Nachfolgebezeichnung für die Unterrichtenden an Krankenpflegeschulen - Unterrichtsschwester - vor vielen Jahren ad acta gelegt worden, es sind jetzt Lehrer für Pflegeberufe; Anmerkung: Medizinpädagogen gab es nur in der DDR - dem Rezensenten, der nicht der Meinung war und ist, dass in der DDR alles schlecht war, kamen die Kurzberichte überhaupt vor wie ein Stück vollkommen unangebrachter DDR-Nostalgie.

Das in dem Buch gezeichnete Bild von Pflege wäre unter berufssoziologischer Perspektive wert, einmal daraufhin analysiert zu werden, inwieweit hier die Pflege als eigenständige Profession dargestellt wird. Die Beantwortung dieser Frage hat Auswirkungen darauf, welchen Wert man dem eigernständigen Handeln der im Pflegebereich Tätigen beimisst. Dies wäre denn nun ein wirklich wichtiger Beitrag zur Diskussion über "Ethik in der Pflege".

Die beiden einleitenden Aufsätze sollten in einer der zur Verfügung stehenden Zeitschriften zugänglich gemacht werden. Das Buch vermag ich ansonsten, auch angesichts des stolzen Preises, nicht zu empfehlen.

Selbst- und Qualitätsmanagement für Pflegeberufe Ein Lehr- und Arbeitsbuch (Rezension)
Selbst- und Qualitätsmanagement für Pflegeberufe Ein Lehr- und Arbeitsbuch (Offermann, Claus)Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2004, 8. Aufl., 1104 S., 18,00 € - ISBN 3-8329-0484-0Rezension von: Dorothee Schmidt Der Anstoß zu diesem Buch ergab sich für den Autor währ