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Fragmente einer Brandenburgischen Medizinalchronik

Wolff, Horst-PeterFragmente einer Brandenburgischen MedizinalchronikSelbstverlag, Liebenwalde, 2015, 309 S., broschiert, ISBN 978-3-00-048008-9 Zu den renommiertesten Pflegehistorikern Deutschlands gehört zweifelsohne der 1934 in Magdeburg geborene Krankenpfleger und Diplom-Mediz
January 25, 2016 by
Fragmente einer Brandenburgischen Medizinalchronik
Andreas Lauterbach

WOLFF Fragmente

Wolff, Horst-Peter
Fragmente einer Brandenburgischen Medizinalchronik
Selbstverlag, Liebenwalde, 2015, 309 S., broschiert, ISBN 978-3-00-048008-9

Zu den renommiertesten Pflegehistorikern Deutschlands gehört zweifelsohne der 1934 in Magdeburg geborene Krankenpfleger und Diplom-Medizinpädagoge Horst-Peter Wolff, der 1978 an der Humboldt-Universität Berlin mit der Arbeit „Grundzüge einer Geschichte der Medizinpädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung des Territoriums der DDR“ zum Dr. paed. promovierte. Er wirkte lange Jahre als Direktor der Medizinischen Fachschule am Klinikum Berlin-Buch und veröffentlichte eine Vielzahl von Studien zur Geschichte der Krankenpflege, wobei insbesondere seine beiden, jeweils mit Jutta Wolff verfassten Lehrbücher „Geschichte der Krankenpflege“ (1994) und „Krankenpflege. Einführung in das Studium ihrer Geschichte“ (2008) weite Verbreitung fanden. Zu den wohl wichtigsten von ihm herausgegeben Sammelwerken gehören die „Studien zur deutschsprachigen Geschichte der Pflege“ (2002) und die Bände 1 bis 3 des „Biographischen Lexikons zur Pflegegeschichte. ‚Who was Who in Nursing History‘“ (1997, 2001 und 2004), denen seither – nunmehr unter der Herausgeberschaft von Hubert Kolling – vier weitere Bände (2008, 2011, 2012 und 2015) folgten. Weniger bekannt ist unterdessen, dass Wolff auch eine Reihe von Studien zur Medizingeschichte vorlegte, die er zumeist, wie das jüngst erschienene Werk, im Selbstverlag veröffentlichte.

Wie die „Fragmente einer Brandenburgischen Medizinalchronik“ zeigen, hat sich der Autor zwar von der speziellen Geschichte der Pflege verabschiedet, besitzt aber weiterhin an der allgemeinen Medizingeschichte durchaus noch Interesse, wofür er heutzutage vor allem die Recherchemöglichkeiten des Internets nutzt.

In seinem Vorwort weist er darauf hin, dass die Geschichte der Medizin des heutigen Bundeslandes Brandenburg bis jetzt nur sehr lückenhaft erarbeitet worden ist und eine Gesamtdarstellung überhaupt noch nicht vorliegt. Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik sei vor allem zur Geschichte der meisten großen Landesanstalten publiziert worden, die für die Versorgung Berliner Geisteskranker und Tuberkulöser errichtet worden waren. Darin habe die Aufarbeitung der Patientenmordaktion unter der Tarnbezeichnung „T 4“, die sogenannte „Euthanasie“-Aktion, einen Schwerpunkt gebildet, so dass diese Thematik wohl als ausreichend dargestellt bezeichnet werden könne.

Siehe man die ins Internet gestellten Kurzfassungen der Ortschroniken des Landes Brandenburg durch, dann falle auf, dass zum Beispiel regelmäßig sämtliche Stadtbrände erwähnt würden, aber Einrichtungen zur Versorgung kranker Armer, oder das Auftreten von Seuchen, wie die Pest, nur selten genannt sind. Nur ganz vereinzelt seien diese historischen Erscheinungen auch in den wenigen gedruckten Ortsgeschichten berücksichtigt worden, was sowohl für die Erwähnung von Hospitälern als auch die Niederlassung der ersten Wundärzte, Hebammen oder promovierten Ärzten gelte. Besser sehe es mit Apotheken aus.

Zur Bedeutung und Intention seiner Veröffentlichung hält Wolff sodann wörtlich fest: „Es schien als Vorarbeit zu einer medizinischen Lokalgeschichte Brandenburgs nützlich zu sein, in Form einer Chronik einige bisher veröffentlichte Fakten nach einer groben thematischen Gliederung zusammenzufassen, um gewissermaßen den Ausgangspunkt für eine Medizingeschichte Brandenburgs zu dokumentieren“ (S. 5). Die Darstellung berücksichtige bewusst nur das heutige Territorium des Landes Brandenburg, klammere also Berlin und die ihm 1920 eingemeindeten Landesteile ebenso aus, wie die im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs östlich der Oder an Polen abgetretenen. Ferner blieben die mit dem Ende der DDR eingetretenen Veränderungen in der Struktur des Gesundheits- und Sozialwesens einer gesonderten Untersuchung vorbehalten.

Das vom Autor zusammengetragene Material kann sich sehen lassen. Nach einer Einführung in die Geschichte des Landes Brandenburg und einem Überblick über das dortige Wüten der Pest werden – jeweils in alphabetischer Reihenfolge – die einheimischen Klöster und Hospitäler mit den bisher bekannten Informationen vorgestellt. Die weitere Darstellung, die wiederum alphabetisch erfolgt, umfasst die Geschichte der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt / Oder, weitere zivile Medizinische Bildungsstätten (Hebammenlehranstalten, Krankenpflegeschulen bis 1950, Medizinische Fachschulen, Institut für Weiterbildung mittlerer medizinischer Fachkräfte und Fachschule für Gesundheits- und Sozialwesen Potsdam), Badestuben und Bäder in Brandenburgs Geschichte, Apotheken, allgemeine Krankenhäuser, Militärlazarette, das Krankenrevier im KZ Ravensbrück, psychiatrische Pflegestätten sowie Stätten der Tuberkulosebehandlung.

Hervorzuheben ist, dass der mit zahlreichen Schwarzweiß- und Farbabbildungen (überwiegend Portraits, aber auch Gebäudeansichten und Lageplänen) illustrierte Band durch ein umfangreiches Personenverzeichnis erschlossen ist. Dieses ist für weitere Forschungen ebenso nützlich wie die Angaben im Literatur- und Quellenverzeichnis, von denen ein Großteil Internetquellen sind. An Archivalien werden unterdessen lediglich einige Bestände aus dem Kreisarchiv Oberhavel genannt.

Dank der von Horst-Peter Wolff veröffentlichten „Fragmente einer Brandenburgischen Medizinalchronik“ ist die Geschichte der Medizin – und an einigen Stellen der Pflege – des heutigen Bundeslandes Brandenburg ein gutes Stück besser greifbar. Das materialreiche Buch bietet eine ideale Grundlage für weitergehende Forschungen, für die freilich umfangreiche Arbeiten in diversen Archiven unerlässlich sein werden.

Es sei lediglich noch der Hinweis erlaubt, dass einige der im Texte erwähnten Personen, darunter Auguste Viktoria (1858-1921), Joachim von Winterfeldt-Menkin (1865-1945), Justine Siegemund (1648-1705), Michael Gehring (1918-1969), Ernst Grawitz (1899-1945), Konrad Alexander Theodor Biesalski (1868-1930) und Gertrud Seele (1916-1945), zwischenzeitlich auch im „Biographischen Lexikon zur Pflegegeschichte“ Eingang gefunden haben.

Eine Rezension von Hubert Kolling

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