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Gesundheitsökonomie<BR>Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe (Rezension)

GesundheitsökonomieLehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe ( Lauterbach, Karl W. et al.)Huber Verlag, Bern, 2006, 349 Seiten, 34,95 Euro, ISBN-13: 978-3456843339 Rezension von: Prof. Dr. Hermann Brandenburg Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln. Am Anfang – u
May 25, 2013 by
Gesundheitsökonomie<BR>Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe  (Rezension)
Andreas Lauterbach

Gesundheitsökonomie
Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe ( Lauterbach, Karl W. et al.)

Huber Verlag, Bern, 2006, 349 Seiten, 34,95 Euro, ISBN-13: 978-3456843339

Rezension von: Prof. Dr. Hermann Brandenburg

Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln. Am Anfang – und das ist bemerkenswert – steht eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Ethik und Ökonomie in der Medizin“. Es folgt ein umfangreicher Beitrag über die „ökonomischen Grundlagen des Gesundheitssystems“. An dritter Stelle steht ein „Vergleich von Gesundheitssystemen“. Das Buch schließt mit einem kürzeren Text über „Methoden der gesundheitsökonomischen Bewertung“. Insgesamt liefert das Buch eine für Mediziner (und andere Gesundheitsberufe) verständliche Einführung in ökonomische Denkweisen und Hintergründe des Gesundheitssystems. Fragen der von den Autoren kritisch gesehen „Kostenexplosion“ werden genauso debattiert wie die Struktur von ambulanter und stationärer Versorgung oder der Arzneimittelversorgung. Wichtig sind die Erläuterungen zum Aufbau und zur Struktur des Krankenversicherungssystems und zur Finanzierung des Gesundheitssystems insgesamt. Weiterführend und über den Tellerrand des deutschen Systems hinausblickend sind die Ausführungen zum Vergleich der Gesundheitssysteme, wobei hier so unterschiedliche Länder wie die Schweiz, Frankreich, Italien, Schweden, Großbritannien und – last but not least – die USA vorgestellt werden. Typisch aber auch für dieses Buch und viele andere mehr ist die Vernachlässigung des stationären und (ambulanten) Langzeitpflegebereichs. Während innovative Modelle und Ansätze für den stationären Krankenhausbereich, die ambulanten Pflege (hier vor allem: Hausarztmodell, Disease Management, integrierte Versorgung) beschrieben werden, so fehlen entsprechende Hinweise für die stationäre Langzeitpflege. Dort werden aber bereits seit Mitte der 90er Jahre mehr Menschen betreut als in der Akutversorgung der Krankenhäuser. Dies ist als Hinweis für weitere Auflagen des zu empfehlenden Lehrbuchs zu verstehen.

Kritik bedeutet, dass man Unterscheidungen trifft. Und in diesem Sinne sei eine kritische Anmerkung gestattet. Die Autoren drücken in ihrem Vorwort die Hoffnung aus, dass das Buch dazu beiträgt „Medizin und Ökonomie in Einklang“ zu bringen. Dies kann man vornehm zurückhaltend, aber auch kritisch interpretieren. Zunächst einmal gibt es sicher nicht die Ökonomie oder die Medizin. Die verschiedenen Strömungen und Richtungen innerhalb dieser beiden Disziplinen werden zugunsten der Darstellung des Mainstreams vernachlässigt. Dies ist einerseits verdienstvoll, andererseits – gerade für ein Lehrbuch – nicht ausreichend. Eine ähnliche Einschätzung möchte ich auch im Hinblick auf die Berücksichtigung der Ethik-Debatte vornehmen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Autoren in ihrem ersten Kapitel bereits umfassend ethische Fragen ansprechen und grundlegende Herausforderungen konkret benennen, u.a. Kostenanstieg/Kostenbegrenzung oder Gerechtigkeitsüberlegungen. Ob allerdings die Fokussierung utilitaristischer, liberaler und tugendethischer Perspektiven am Ende ausreicht, dies kann durchaus bezweifelt werden. Ich möchte dies an einem Bespiel kurz verdeutlichen: Rationierung in Medizin und Pflege findet real statt; deren Bewältigung ist vor allem ein gesellschaftspolitisches Thema, aber auch eine Frage der Verantwortung von Institutionen und Verbänden, deren strategischer Ausrichtung und dem Einsatz von personellen und zeitlichen Ressourcen. Ich möchte damit nicht den Wert deontologischer Ansätze in Zweifel ziehen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass diese Perspektive gerade in der heutigen Situation in ihrer Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Aber ich bin skeptisch, ob letztlich die Betonung individueller Verantwortung, Pflicht oder Nützlichkeitserwägungen wirklich der offenen und versteckten Rationierung in der Praxis entgegenzuwirken vermag. Vielmehr halte ich es für notwenig, dass eine entsprechende Kultur in den Institutionen (Krankenhäuser, Pflegeheime) vorhanden sein, die von Leitungsstrukturen und Rahmenbedingungen geprägt sind, welche den Satz „der Menschen steht bei uns im Mittelpunkt“ für die Praxis des Alltags ernst nimmt.

Trotz dieser kritischen Ergänzung möchte ich keinen Zweifel daran lassen dieses Lehrbuch für Mediziner, Pflegende und andere Gesundheitsfachberufe zu empfehlen. Unter anderem auch deswegen, weil diese Berufsgruppen – in der Zukunft stärker denn je – mit gesundheitsökonomischen Fragen und Problemstellungen konfrontiert werden. Mit dem Hinweis auf die Ethik verweist das Buch bereits über die Grenzen der Ökonomie hinaus.

Bücher zum Thema „Pflegedokumentation“ (Rezension)
Bücher zum Thema „Pflegedokumentation“ ()Rezension von: Paul-Werner Schreiner Pflegedokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben, also unabdingbar notwendig, aber mindestens ebenso unbeliebt; dass Pflegedokumentation Pflegearbeit ist, wird vielfach nicht eingesehen. Das Argum