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Grundkurs Ethik (Rezension)

Grundkurs Ethik (Körtner, Ulrich, H. J.)Facultas, Wien, 2004, 268 S., 23,60 €, ISBN 978-3-85076-650-0Rezension von: Paul-Werner Schreiner Der Autor des vorliegenden Buches ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wi
May 25, 2013 by
Grundkurs Ethik (Rezension)
Andreas Lauterbach

Grundkurs Ethik (Körtner, Ulrich, H. J.)

Facultas, Wien, 2004, 268 S., 23,60 €, ISBN 978-3-85076-650-0

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Der Autor des vorliegenden Buches ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an dieser Universität. Der Grundkurs Ethik geht auf eine mehrjährige Lehrtätigkeit des Autors in Aus-, Fort- und Weiterbildungen auch für Pflegeberufe zurück – und für eben diesen Bereich ist der Grundkurs auch konzipiert.

Im Vorwort betont Körtner, dass es hinsichtlich einer Pflegeethik, auch innerhalb der noch jungen Disziplin Pflegewissenschaft Klärungsbedarf gibt. Er schreibt: „Viele ethische Probleme, die in der Pflege auftreten, sind keine Probleme der Pflege allein, sondern stellen sich auch dem behandelnden Arzt oder der Ärztin, der/die die Letztverantwortung trägt, den Angehörigen und dem Patienten oder der Patientin selbst. Zwischen allgemein medizinethischen und pflegeethischen Fragen besteht eine weitgehende Überschneidung. Allerdings haben die Pflegenden nicht nur täglich mehr Kontakt zu den Patienten und Patientinnen als die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, sondern neben dem mit¬verantwortlichen auch einen eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich. Außerdem sind die Ziele der Medizin von denen der Pflege zum Teil durchaus verschieden. Eben darum ist eine spezifische Pflegeethik vonnöten, die als Teil einer allgemeinen Ethik des Gesundheitswesens zu konzipieren ist.“ Hinsichtlich des in den Ausführungen entwickelten Verständnisses von Pflegeethik wird auf die in Österreich und Deutschland erfolgte Änderung der Berufsbezeichnung Bezug genommen – nicht mehr „Krankenschwester/Pfleger“, sondern „Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger“.

In den ersten vier Kapiteln die Begrifflichkeit des Faches Ethik eingeführt, es wird ferner geklärt, was unter Gesundheitsethik, Medizinethik und Pflegeethik verstanden werden kann sowie die Beziehungen der Ethik zu den Fächern Recht und Anthropologie erhellt. In den weiteren Kapiteln werden Grundlagen einer Pflegeethik entfaltet und zentrale Probleme aufgezeigt sowie ethische Prinzipien erläutert sowie dargelegt, was unter pflegeethischer Kompetenz zu verstehen ist.

Im siebten Kapitel werden Dokumente zur Medizin- und Pflegeethik dokumentiert – die Kodifizierung der Menschenrechte sowie die Ethik-Kodizes des ICN und verschiedener Berufsverbände.

In einem sehr kurzen Kapitel werden Schritte der ethischen Urteilsbildung vorgestellt. In dem vorgestellten Modell wird leider bei Schritt zwei angefangen – das initiale Betroffensein von einem ethischen Problem bleibt hier außen vor. Die Arbeits- und Funktionsweise klinischer Ethikkomitees sowie ethische Aspekte in der Pflegeforschung sind weitere Themen.

Mit „Menschwürdig sterben“, „Behandlungsabbruch und Sterbehilfe“ sowie „Transplantationsmedizin“ werden drei ethische Konfliktfelder thematisiert, von denen immer auch Pflegende betroffen sind. Im letzten Kapitel werden Fallbeispiele besprochen.

An vielen Stellen im Text wird der Leser aufgefordert, über Fragen zu dem gerade Abgehandelten nachzudenken. Am Ende jedes Kapitels werden die Ausführungen kurz zusammengefasst und für das Thema des Kapitels spezifische weiterführende Literatur angegeben. Im Anhang findet der Leser des Buches ein sehr hilfreiches Glossar mit wichtigen Begriffserklärungen, ein Stichwortverzeichnis sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Von der Anlage und auch von den Ausführungen her kann der Grundkurs Pflegeethik ohne Zweifel zur Vorbereitung von entsprechenden Unterrichtseinheiten gut herangezogen werden. Ein Wermutstropfen besteht darin, dass der Autor sich in seinen Ausführungen zwar oftmals und zutreffend mit dem Verhältnis von Medizin- und Pflegeethik beschäftigt und auch betont, dass beide Disziplinen in der Praxis häufig mit den gleichen Problemen konfrontiert sind, es ihn aber nicht gelingt, hier eine nachvollziehbare Differenzierung vorzunehmen. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass pauschal von Medizinethik gesprochen wird – so als sei klar, was darunter zu verstehen ist, was aber keineswegs der Fall ist. Von einer sorgfältigen Analyse und Beschreibung der verschiedenen und durchaus heterogenen Bestandteile dessen, was unter dem Dach der Medizinethik firmiert, könnte dann auch dass klarer herausgestellt werden, was eine Pflegeethik ist, was sie umfassen muss und – vor allen Dingen, wo diese eigenständig sein kann und muss. Das Problem wird plastisch daran deutlich, dass zwar auf die Ethikkodizes des ICN und verschiedener Berufsverbände eingegangen wird, sich aber in dem Buch keine weiteren Ausführungen zur Berufsethik, ihren Bedingungen und ihrem darauf basierenden Wirkungsgrad finden.

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