Grundkurs Medizin-Ethik (Pöltner, Günther)Facultas, Wien, 2002 (UTB Mittlere Reihe 2177), 340 S., 20,50 ⬠- ISBN 3-8252-2177-6Rezension von: Paul-Werner Schreiner |
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Die vorliegende Einführung in Medizin-Ethik beruht auf Vorlesungen und Seminarveranstaltungen, die der Autor, Professor am Institut für Philosophie und am Institut für Ethik und Recht an der Universität Wien, zum Teil in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der juristischen Fakultät gehalten hat. In den ersten drei Kapiteln werden die Grundlagen einer Medizin-Ethik entfaltet - der Begriff einer Medizin-Ethik definiert und die Aufgabe skizziert, die Methoden ethischer Urteilsbildung dargelegt sowie die Probleme einer normativen Begründung der Medizin-Ethik reflektiert. Die beiden weiteren Kapitel sind zum einem dem zentralen Gegenstand der Medizin-Ethik - dem gesunden und kranken Menschen als leiblich-personalem Wesen - gewidmet und zum anderen dem Arzt-Patienten-Verhältnis.
Gegenstand der weiteren Kapitel sind dann einige der zentralen Problembereiche der Medizin-Ethik, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie der Autor betont:
- Heilversuch, Humanexperiment, Ethikkommissionen
- Prädiktive Medizin
- Gentherapie
- Embryonenforschung
- Debatte über den Lebensschutz
- Organtransplantation
- Sterben und Tod
- Verteilung von Ressourcen im Gesundheitswesen.
Auch wenn in einem Grundkurs selbstverständlich nicht alle Probleme erschöpfend behandelt werden können, würde man sich dennoch gerade in einem Grundkurs wünschen, dassdem Problem des Behandlungsverzichts (wird im Kapitel "Sterben und Tod" kurz angerissen) und damit dem Problem bzw. der Methodik der Indikationsstellung, die eben keine rein medizinische ist, etwas gröÃeres Gewicht beigemessen wird. Das Gleiche gilt für den im Zusammenhang mit Ethik gern eingebrachten und nicht selten etwas überstrapazierten Begriff der Verantwortung. Befremdlich wirkt, dass im Rahmen der Beschäftigung mit Sterben und Tod der Suizid nur im Zusammenhang mit der ärztlichen Beihilfe zum Suizid als Alternative zur Tötung auf Verlangen, aber nicht als ganz eigenständige Problematik Erwähnung findet; das Bedenken des Suizids als nur dem Menschen möglich Handlung wäre gerade in einem Grundkurs von groÃer Bedeutung, werden die Handelnden bei der Begegnung mit einem Suizidenten doch in besonderer Weise in den Tiefen ihrer eigenen Persönlichkeit gefordert.
Das Buch sei dennoch allen an medizinischer Ethik Interessierten sehr zur Lektüre empfohlen. Sehr zu begrüÃen ist, dass der Autor Medizin-Ethik nicht als auf die abgrenzbare Disziplin Medizin beschränkt versteht, sie hat vielmehr "mit Handlungen und Haltungen im speziellen Bereich der Medizin zu tun" - der Begriff "Medizin" steht dabei für die Vielfalt der im Handlungsbreich der Gesundheitsversorgung tätigen Professionen. Medizin-Ethik in diesem Sinne ist stets eine interdisziplinäre Angelegenheit. Expressis verbis wenden sich in diesem Sinne die Ausführungen auch an Studenten der Medizin und der Pflegewissenschaft.
Vor allem die drei einführenden Kapitel sowie das vierte Kapitel können als Grundlage von Unterrichtsveranstaltungen zur Einführung in die Ethik herangezogen werden.