Hufeland, Christoph Wilhelm
Aphorismen und Denksprüche
Mit einem Nachwort von Klaus Pfeifer
Herausgegeben von Harald Rockstuhl
Verlag Rockstuhl. Bad Langensalza 2009, 49 S., 9,80 â¬, ISBN 978-3-86777-066-8
Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling
 Er fehlt in keinem Lexikon der Medizingeschichte: der deutsche Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836). In Berlin betreute er als königlicher Leibarzt die königliche Familie von Friedrich Wilhelm III. und leitete das Collegium medico-chirurgicum sowie als Erster Arzt und Direktor die Charité in Berlin. Im Anschluss an die Flucht der Königsfamilie nach Königsberg und Memel, welche er begleitete, wurde Hufeland erster Dekan der Medizinischen Fakultät als Akademiemitglied der neuen Berliner Universität. Neben seiner Tätigkeit als Professor am Lehrstuhl für Spezielle Pathologie und Therapie war er auch Leiter der Militärakademie und Staatsrat der Abteilung Gesundheitswesen im preuÃischen Innenministerium sowie Mitglied der Armendirektion. Sein besonderes Interesse für medizinisch-historische Literatur und für die Schriftstellerei brachte Hufeland in Kontakt mit Goethe, Schiller, Wieland und Herder.
 Zur Erinnerung an Hufeland â den wohl bedeutendsten Arzt seiner Zeit in PreuÃen â wurde vor seinem Wohnhaus in Berlin-Mitte 1957 eine Gedenktafel angebracht. Die DDR verlieh jährlich die nach ihm benannte Hufeland-Medaille, eine staatliche Auszeichnung für bedeutende Verdienste um den Gesundheitsschutz. Sein Name lebt auch in der Hufelandschen Gesellschaft und der Hufeland-Stiftung weiter. Die Deutsche Ãrzteversicherung vergibt jährlich den mit 20.000 Euro dotierten Hufeland-Preis für die âbeste Arbeit auf dem Gebiet der Präventivmedizinâ.
 Christoph Wilhelm Hufeland veröffentlichte neben zahlreichen medizinischen Arbeiten auch eine Reihe von Publikationen zum Thema Gesundheitspflege, darunter sein Hauptwerk âDie Kunst, das menschliche Leben zu verlängernâ (1796), in dem eine besondere Ernährung und ein harmonischer Lebensstil empfohlen wird. Zu seinen über 400 Schriften zählt auch das dünne Bändchen âAphorismen und Denksprücheâ, das Otto Rigler im Jahre 1910 im Leipziger Verlag Barth herausgab. Von dem auch heute noch sehr lesenswerten Buch hat der in Bad Langensalza, dem Geburtsort von Hufeland, beheimatete Verlag Rockstuhl nun ein Nachdruck veröffentlicht.
 Ãber die Entstehung der Schrift zitiert Harald Rockstuhl, der heutige Herausgeber, in seinem Vorwort (S. 4-5) aus dem Vorwort der Erstausgabe. Dort schrieb einst Otto Rigler: âDie vorliegende kleine Festgabe zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Hufelandischen Gesellschaft ist entstanden auf Veranlassung und mit gütiger Unterstützung des Herrn Professor Dr. H. StrauÃ, Berlin, derzeitigen I. Schriftführers der Hufelandischen Gesellschaft [...]. Das Heft enthält Denksprüche und Aphorismen, die sich an verschiedenen Stellen von Hufelands Werken, speziell in dessen âEnchiridion medicumâ, finden, daneben aber solche, die bisher noch nicht publiziert worden sind. Die Aufzeichnungen der letzteren, welche den Hauptinhalt dieses Heftchens darstellen, fanden sich unter den von meinem Vater, einem Enkel Hufelands, hinterlassenen Papieren vor.â
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Und der bereits erwähnte H. Strauà bemerkte ebenfalls dort 1910: âAls ich vor nahezu Jahresfrist von der Existenz bisher ungedruckter Aphorismen von Hufeland erfuhr, hielt ich es für eine dankbare Aufgabe, die Veröffentlichung derselben bei Gelegenheit der Jahrhundertfeier der Hufelandischen Gesellschaft anzuregen. Ich glaubte, daà eine solche Veröffentlichung nicht bloà von der Hufelandischen Gesellschaft, sondern auch von allen denjenigen gerne gesehen würde, welche für Hufelands Person Interesse besitzen.â
 Zu dem vorliegenden Reprint hat der Arzt Klaus Pfeifer Klaus ein Nachwort beigesteuert (S. 44-49), in dem er knapp das Leben und Wirken von Hufeland würdigt. Dessen herausragende Stellung habe nicht nur auf seiner exakten, streng auf naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre beruhenden medizinischen Fachkenntnisse beruht, sondern â vielleicht vor allem â auf seiner überragenden menschlichen Persönlichkeit: âEr gehörte zu den Ãrzten, die im Kranken, der sich ihnen anvertraute, nicht nur ein Objekt zur Verrichtung einer medizinischen Dienstleistung sahen, sondern in erster Linie den Mitmenschen und Freund, dem sie sich verpflichtet fühlten. Das Verhältnis des wahren Arztes zu seinem Patienten, das sogenannte Arzt-Patienten-Verhältnis, war für ihn ganz einfach geprägt durch die ständig vor ihm stehende Frage: âMöchtest Du, wenn Du krank wärest, ebenso behandelt werden, wie dieser Kranke?ââ (S. 44).
Die erneute Herausgabe der âAphorismen und Denksprücheâ von Christoph Wilhelm Hufeland, es handelt sich um insgesamt 132 kürze oder längere Zitate beziehungsweise Ausschnitte von Texten, ist um so mehr zu begrüÃen, als seine Lebensweisheiten heute meist noch genau so aktuell sind wie vor 100 Jahren. Zudem bieten sie ein kurzweiliges Lesevergnügen und bieten vielfältige Anregungen in einer Zeit, in welcher der Kranke in den Augen von Ãrzten und Politikern mitunter nicht mehr âder Krankeâ ist, der Patient, dem es zu helfen gilt, sondern vielmehr âder Kundeâ, der für eine medizinische Dienstleistung bezahlen muss, wenn er sie denn erhalten will. Auch wenn Hufeland, wie Kritiker zurecht anmerken können, für seine Tätigkeit eine Bezahlung erhielt, war aber das ganz Wesentliche für ihn eben, im Kranken seinen Nächsten zu sehen, der der Hilfe bedurfte. Dies brachte er auch in seinen Sentenzen (Sinnsprüchen) über das ärztliche sowie medizinisch-wissenschaftliche und naturwissenschaftliche Denken unmissverständlich zum Ausdruck.
