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Illustrierte Geschichte der Medizin (Rezension)

Illustrierte Geschichte der Medizin (Eckart, Wolfgang U.)Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, 2011, 2. Aufl., 384 S., 49,95 €, ISBN 978-3-642-20097-7Rezension von: Dr. Hubert Kolling Gesundheit und Krankheit, Leben und Sterben haben die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt. So war
May 25, 2013 by
Illustrierte Geschichte der Medizin (Rezension)
Andreas Lauterbach

Illustrierte Geschichte der Medizin (Eckart, Wolfgang U.)

Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, 2011, 2. Aufl., 384 S., 49,95 €, ISBN 978-3-642-20097-7

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Gesundheit und Krankheit, Leben und Sterben haben die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt. So waren bereits unsere Vorfahren der Ur- und Frühgeschichte von zahlreichen Krankheiten gepeinigt, die auch uns heute noch zu schaffen machen - von der Arthrose bis hin zur Karies. Nicht umsonst ist die Medizin eine der ältesten Wissenschaften, die stets von besonderer Bedeutung für jeden Einzelnen war und ist. Die moderne westliche Medizin unserer Zeit hat ihre wesentliche Gestalt freilich erst in den vergangenen 200 Jahren gewonnen.

Mit seiner "Illustrierten Geschichte der Medizin" gewährt Wolfgang U. Eckart, Professor für Geschichte der Medizin und Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg, tiefe Einblicke in die faszinierende Entwicklung dieser Wissenschaft. Dabei bietet der Autor, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Medizin im europäischen Kolonialismus, Ärztliche Mission, Medizin und Krieg sowie die Medizin im Nationalsozialismus zählen, einen ebenso kurzweiligen wie fundierten Überblick über die Meilensteine der Medizin, eingebunden in den zeitlichen Kontext. Übersichtlich untergliedert in 14 Kapitel, an deren Beginn jeweils eine Zeitleiste steht mit den wichtigsten Daten und Ereignissen, beginnt der Gang seiner Darstellung mit einer Zusammenfassung der alten Medizin von der europäischen Antike bis zum Vorabend der Französischen Revolution, bevor er die Entwicklungslinien der neuen Klinischen Medizin, den Umgang der Medizin mit bedrohlichen Seuchen des 19. und 20. Jahrhunderts, die Entstehung der Laboratoriumsmedizin und die Entfaltung alternativer Präventions- und Therapiewege als Reaktion auf sie verfolgt. In der Klinischen Medizin trägt Wolfgang U. Eckart den dramatischen Veränderungen in der Chirurgie und der Liberalisierung des Umgangs mit den an Geist und Seele Leidenden ebenso Rechnung wie der diagnostischen und stofftherapeutischen Revolution seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Hervorzuheben ist, dass er auch die Schattenseiten der modernen Medizin in Krieg und Diktatur nicht ausspart, sondern in einzelnen Kapiteln genauso in den Blick nimmt wie die Fragen medizinischer Ethik, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute die moralische Debatte moderner Medizin bestimmen.

Im Einzelnen gliedert sich das Buch in die folgenden Kapitel:

  • Konzepte, Dogmen, Krankheitsbilder - Die Medizin bis zur Frühen Neuzeit (S. 1-31)
  • Revolution und Medizin - Der Einzug des naturwissenschaftlichen Denkens in Klinik und Labor (S. 33-56)
  • Gegen die Giftmischer und Aderlasser - Naturheilkunde, Homöopathie und die Blüte der sanften Medizin (S. 57-75)
  • Asiatische Hydra, Weiße Pest und Gottes Strafe - Volkskrankheiten und Seuchen (S. 77-103)
  • Von Körperzellen und Mikroben - Zellularpathologie und Bakteriologie / Virologie als neue Leitwissenschaften der Medizin (S. 105-136)
  • Mit dem Messer zum Organ - Chirurgen bahnen neue Wege (S. 137-161)
  • Von Irren und Ärzten - Ketten, Hirne, Analysen (S. 163-194)
  • Kranke, Ströme, Strahlenfelder - Medizin und Elektrizität um 1900 (S. 195-210)
  • Medizin und Diktatur - Deutschland, 1933-1945 (S. 211-240)
  • Von Solferino bis Kabul - Krieg, medizinischer Fortschritt und die Ambivalenz der Moderne" (S. 241-276)
  • Vermessen, durchleuchtet und analysiert - Die diagnostische Durchdringung des Menschen (S. 277-302)
  • Vom Serum zur chemischen Substanz - Die Revolution der pharmakochemischen Therapie (S. 303-320)
  • Leben, Krankheit, Sterben - Ethische Herausforderungen (S. 321-343)
  • Internationale Medizin und globale Verantwortung - Armut, Krankheit, ferne Kriege (S. 345-353).

Während das Buch durchgehend mit insgesamt 325 Abbildungen, die überwiegende Zahl davon in Farbe, reichlich illustriert ist, beschreibt eine Vielzahl kurzer Exkurse den Fortschritt vor dem historischen Hintergrund. Ergänzt wird die Darstellung durch ein eher knapp gehaltenes Literaturverzeichnis (S. 355-358), in dem man sich neben der "Geschichte der Medizin und der Krankenpflege" (Eduard Seidler) wenigstens einen Hinweis auf das "Biografische Lexikon zur Pflegegeschichte" (Horst-Peter Wolff / Hubert Kolling) gewünscht hätte, ein Personenverzeichnis (S. 359-365) und ein Sachverzeichnis (S. 366-374), das die Begriffe "Krankenpflege" und "Kriegskrankenpflege" vermissen lässt.

Zur Bedeutung und Intention seiner Veröffentlichung schreibt der Autor im Vorwort: "Dieses Buch will weder medizinhistorisches Hand- noch Lehrbuch sein und es erhebt keinen Anspruch auf Berücksichtigung aller Strömungen, Entwicklungen oder Einzelergebnisse in der Medizin der letzten 200 Jahre. Es will in historischer Perspektive lediglich in einfachen Linien die wesentlichen Züge einer Disziplin nachzeichnen, die heute in ihrer Vielfalt und technischen Ausdifferenzierung kaum mehr überschaubar ist. [...] Medizin ist eine lebendige Wissenschaft und lebt geradezu von der Dynamik ihrer Wandlungen. Dieser Dynamik und ihren Auswirkungen in den letzten zwei Jahrhunderten auf wenigen hundert Seiten nachzugehen, ist ein gewagtes Unterfangen und zwingt den Betrachter in eine Perspektive der Vogelschau. Dabei müssen notgedrungen Details in den Konturen der Landschaft verschwinden. Hierfür sei der detailgewohnte Leser um Verzeihung gebeten. Wenn es stattdessen aber gelungen sein sollte, in historischer Perspektive Konturen einer Medizin zu zeichnen, in deren Wirkungsfeld wir stehen und so das weiterführende Interesse am Detail zu wecken, wäre ein zentrales Anliegen dieser Darstellung erreicht" (S. V und VI).

Der an der Geschichte der Krankenpflege interessierte Leserschaft sei zur Lektüre insbesondere das zehnte Kapitel "Von Solferino bis Kabul - Krieg, medizinischer Fortschritt und die Ambivalenz der Moderne" (S. 241-276) empfohlen. Darin finden sich Informationen und Hinweise etwa über das Wirken von Florence Nightingale (1820-1910), Jean-Henry Dunant (1828-1910) und die Entstehung des Roten Kreuzes sowie die Krankenpflege in den verschiedenen Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts. Namentliche Erwähnung findet hierbei Mathilde von Horn (1875-1943), die Generaloberin des Badischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, die sich 1918 in ausgedehnten Visitationsreisen um das Schicksal der in Russland kriegsgefangenen deutschen Soldaten bemühte. In Hinblick auf das Wirken des Roten Kreuzes und dessen Krankenschwestern während der NS-Zeit schreibt Wolfgang U. Eckart: "Unter Leitung seines Präsidenten, des SA- und NSDAP-Mitglieds Carl-Eduard (Herzog) von Sachsen-Coburg und Gotha (1884-1954) und des SS-Mannes und geschäftsführenden Präsidenten des DRK, Ernst Grawitz (1899-1945), waren das Rote Kreuz und seine Schwesternschaft tief ins nationalsozialistische Unrechtssystem verstrickt und bis 1945 im Grunde eine straff durchorganisierte Unterorganisation der SS" (S. 274).

Nach nur etwas mehr als einem halben Jahr liegt nun, Dank der "erfreulich positiven Resonanz, die diese Illustrierte Geschichte der Medizin beim Lesepublikum gefunden hat", so der Autor in seinem Vorwort, eine zweite Auflage vor. Genaugenommen handelt es sich hierbei jedoch lediglich um einen Nachdruck, dem ein "Errata" beigefügt wurde. Die achtseitige Beilage enthält dabei Hinweise auf Textkorrekturen für insgesamt 28 Seiten und ein überarbeitetes Personenverzeichnis (während das Buch selbst das nicht aktualisierte Verzeichnis der ersten Auflage enthält). Jeder Autor mag sich wohl freuen, wenn sein Buch binnen eines Jahres eine Neuauflage erfährt. Im vorliegenden Fall entsteht beim unbeteiligten Leser jedoch der Eindruck, dass hier etwas übers Knie gebrochen wurde. Ob und inwiefern dieses Phänomen vielleicht der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen (vgl. www.de.wikipedia.org/wiki/Exzellenzinitiative) - beziehungsweise der Bedeutung, die in diesem Zusammenhang dem Umfang der Publikationslisten der entsprechenden Hochschullehrer zukommt - geschuldet ist, darüber kann nur spekuliert werden. In jedem Fall hätte ich mir als Käufer des Buches, für das es immerhin knapp 50 Euro hinzublättern gilt, eine wirkliche Neuauflage mit den eingearbeiteten Korrekturen gewünscht. Sieht man von den zuvor genannten Punkten ab, hat Wolfgang U. Eckart ein gelungenes Buch vorgelegt, das man immer wieder gerne zur Hand nehmen mag, um darin etwas über die Meilensteine der Medizingeschichte zu erfahren.

Pflege in Europa (Rezension)
Pflege in Europa (Hitzemann, Andrea et al.(Hrsg.))Lambertus, Freiburg, 228 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-7841-2067-6Rezension von: Univ.-Prof. Dr. Hermann Brandenburg Lehrstuhl für Gerontologische Pflege, Pflegewissenschaftliche Fakultät, Philosophisch-Theologische Hochschule Va