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Lehrbuch Kinderkrankenpflege<BR>Die Förderung und Unterstützung selbstpflegebezogenen Handelns im Kindes- und Jugendalter (Rezension)

Lehrbuch KinderkrankenpflegeDie Förderung und Unterstützung selbstpflegebezogenen Handelns im Kindes- und Jugendalter (Hloloch, Elisabeth et al. (Hrsg.))Eicanos - Verlag Hans Huber, Bern, 1999, 1136 S., 380 Abb., 140 Tab. 29,95 € - ISBN 3-456-83179-XRezension von: Elke Haußw
May 25, 2013 by
Lehrbuch Kinderkrankenpflege<BR>Die Förderung und Unterstützung selbstpflegebezogenen Handelns im Kindes- und Jugendalter  (Rezension)
Andreas Lauterbach

Lehrbuch Kinderkrankenpflege
Die Förderung und Unterstützung selbstpflegebezogenen Handelns im Kindes- und Jugendalter (Hloloch, Elisabeth et al. (Hrsg.))

Eicanos - Verlag Hans Huber, Bern, 1999, 1136 S., 380 Abb., 140 Tab. 29,95 € - ISBN 3-456-83179-X

Rezension von: Elke Haußwald

Basierend auf der Selbstpflegedefizit-Theorie von D. E. Orem, die auch ein Geleitwort zu diesem Buch geschrieben hat, legen die vier Herausgeberinnen eine große Arbeit vor unter dem Postulat der „Förderung und Unterstützung selbstpflegebezogenen Handelns im Kindes- und Jugendalter“. Hiermit antworten sie u. a. auf die gegenwärtigen Herausforderungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, gesundheitspolitischer sowie berufsspezifischer Umwandlungen und liefern einen bedeutenden Beitrag zur Professionalisierung der Kinderkrankenpflege.

Das Werk gliedert sich in fünf Teile, an deren einzelnen Kapitel insgesamt 35 Autorinnen und Autoren mitgewirkt haben. Der Aufbau des Buches folgt einer überzeugenden Logik: Nach einer anschaulichen Skizzierung der historischen Einflüsse auf die Entwicklung des Berufsbildes der Kinderkrankenpflege, liefern zunächst aktuelle soziologische und gesundheitspolitische Bedingungen die Begründungszusammenhänge für die heutige pflegerische Praxis. Eine Betrachtung des Phänomens „Kindsein in modernen Gesellschaften“ unterstreicht die Spezifität dieses Berufes.

Richtungsweisend ist eine pflegerisch-ethische Grundhaltung der Fürsorge, wie sie im Teil I Kap. 5 (pflege)theoretisch erläutert wird. Dabei ist es den Herausgeberinnen ein besonderes Anliegen, selbst das kleinste Kind als „ein von Anfang an interaktives und handelndes Wesen“ (siehe Vorwort der Herausgeberinnen) zu begreifen. In der Selbstpflegedefizit-Theorie D. E. Orems sehen sie wertvolle konzeptuelle Anregungen für eine dementsprechend entwicklungsfördernde Planung der Pflege und die nötige Einstellung, Kind und Familie weitest gehend als Einheit zu verstehen (Stichwort: Dependenzpflege). Mit einer differenzierten Einführung in diese Pflegetheorie schließt der erste Teil.

In Teil 2 folgen die für eine professionelle Kinderkrankenpflegerische Praxis dringend erforderlichen entwicklungstheoretischen Kenntnisse, welche hellhörig machen für die besonderen Erfordernisse in der Pflege von Kindern und Jugendlichen. Präzise und verständlich werden die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien in Bezug auf die kognitiven, körperlichen und motorischen Veränderungen sowie die Entwicklungen im Bereich der sozialen Kompetenzen aufgeführt. Die emotionale Entwicklung wird am Beispiel der Angst dargelegt. Dieses wichtige Basiswissen in Bezug auf die Handlungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen befähigt, entwicklungsbedingte Selbstpflegeerfordernisse festzustellen.

Teil 3 des Buches vermittelt pflegewissenschaftliche Grundlagen für die Anwendung der Selbstpflegedefizit- Theorie durch die Deskription pflegerischer Instrumente, wie den Einsatz von Pflegediagnosen und -Standards, in Bezug auf Pflegeorganisation sowie für den Aspekt pflegerischer Beratung. Die Vorschläge für die Erhebung einer professionellen Pflegeanamnese machen sichtbar, wie rückständig wir derzeit noch in unserer Pflegediagnostik – vor allem im Bereich der Entwicklungsdiagnostik – arbeiten.

Das Buch schließt in Teil 5 mit einer Art „ABC der Pflegetechniken“. Nach einer Abhandlung relevanter Rechtsfragen werden unter Berücksichtigung der Entwicklungsstufen detailliert und übersichtlich wichtige Hinweise zur psychologischen Vorbereitung von Kindern/Jugendlichen auf pflegerische Interventionen gegeben. Die Vermittlung des Grundwissens für eine korrekte Durchführung der gängigen kinderkrankenpflegerischen Interventionen erfolgt sodann chronologisch im Sinne eines Nachschlagewerkes.

Den Kern des Lehrbuches bildet jedoch Teil 4, in dem der Leitgedanke am unmittelbarsten konkretisiert und in unterschiedlichen Kontexten erörtert wird. Eingebettet in die für die Praxis erforderlichen Grundlagen werden exemplarisch anhand 23 ausgewählter, für die Kinderkrankenpflege typischer Pflegesituationen die wissenschaftstheoretischen Konsequenzen beschrieben, die einer entsprechenden Pflegediagnostik folgen. So wird beispielhaft veranschaulicht, wie erworbene Kenntnisse gedanklich vernetzt werden müssen, um in der Komplexität einer eigenen Pflegerealität situationsangemessen handeln zu können. Die vorliegenden pflegerischen Situationen wurden überwiegend nach den Strukturelementen der Theorie D. E. Orems gestaltet. Die restlichen greifen aktuell diskutierte Themen – wie transkulturelle Pflege, die Situation organtransplantierter Kinder oder jene von Kindern mit Missbrauchserfahrungen – auf. Ein Schwerpunktthema in diesem Teil ist das Kapitel „Schmerzen im Kindesalter – pflegerische Diagnostik und Interventionen.“

Pädagogisch betrachtet eröffnen viele der in den Teilen dieses Buches zusammengefassten Einzelbeiträge neue Dimensionen des Reflektierens auf wissenschaftlicher Basis. Sensible Analysen und die Einbeziehung anspruchsvoller Erfahrungen sind Fundgruben für Gedankenanregungen. Dieses Buch ist für Kinderkrankenpflegeschulen, an denen nicht nur Wissen vermittelt werden soll. Implizit wird für eine handlungsorientierte Pädagogik plädiert, deren Leitbegriffe Emanzipation und Autonomie sind. Aufgabenstellungen, die zur Einzelarbeit bzw. in Lerngruppen auffordern, initiieren selbstorganisiertes Lernen und schaffen Anreize, sich in neuen Anforderungen Informationen einzuholen. Auf diese Weise wird ein berufliches Selbstbewusstsein gestärkt. Für Lehrende enthält das Buch eine Fülle von didaktischen Anregungen zum Lernen in Kontexten.

Die Herausgeberinnen wehren sich gegen eine Reduktion von (Kinderkranken)Pflege auf ein rezeptives Lernen, wodurch sie den Entwicklungsprozess einer durch das medizinische Modell geprägten tätigkeitsorientierten Pflege hin zu einem holistischen Pflegeverständnis unterstützen. Neben wissenschaftlich-technischer Fachlichkeit fordern sie hohe Kompetenzen in kommunikativer und ethischer Hinsicht. Die angedeutete Vielfalt wissenschaftlicher Aspekte erhält dabei ihre Legitimation durch einen stets gegenwärtig gehaltenen Praxisbezug und fördert den Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden sowie zwischen den in der Praxis Tätigen.

Ein Sachregister sowie eine Schnellübersicht in der Innenseite des Buchrückens verhelfen zu zügigem Auffinden von Stichworten. Piktogramme machen auf Zusammenfassungen, Merksätze, Handlungsketten, Adressen von Informationsstellen und Selbsthilfegruppen sowie auf Querverweise zu Pflegesituationen aufmerksam. Sehr interessant sind die Einblendungen von Erfahrungsberichten und Kurzfassungen wissenschaftlicher Studien.

Als visuelles Kontextmaterial dienen u. a. handgezeichnete Illustrationen, die aber leider manchmal unprofessionell wirken, wie insbesondere die Darstellung des Handlings bei diversen Injektionstechniken. Als weiteres Bildmaterial werden Schwarz-Weiß-Fotografien herangezogen. Die optische Aufmachung dieses Lehrbuches wird dadurch seinem Inhalt nicht ganz gerecht. Die Leserin/der Leser wird in den Informationen und Gedankenanstößen, vor allem im psychosozialen Bereich, die eigentliche bunte Fülle dieser Publikation entdecken.

Das Interesse am Kind, seine Ängste und Verletzlichkeiten, sein Denken, Handeln, Erleben sowie seine besonderen Fähigkeiten und Entwicklungschancen zu erkennen (was insbesondere auch für die Förderung behinderter Kinder gilt), ist der Motor dieses Buches. Diese Orientierung durchzieht nicht konsequent alle Themen. So wird ausgerechnet das durch die hohe Anzahl der Betroffenen für die Kinderkrankenpflege äußerst wichtige Thema Enuresis unter diesem Blickwinkel nicht behandelt. Doch dieses Buch erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es bietet vielmehr den Ansatz, sich die Pflege kranker Kinder aus einem anderen Fokus heraus anzueignen.

So verfolgt es überwiegend affektive Lernziele und betont gleichzeitig die Bedeutung pflegewissenschaftlichen und konzeptuellen Arbeitens. Zumeist sehr zahlreich angegebene Literaturhinweise laden zu einer weiterreichenden eigenständigen Erschließung des kindspezifischen Wissens ein. Denn wer begreift, welcher eigenen Logik kleine Patienten folgen und vor welche Entwicklungsaufgaben sie gestellt werden, wird sensibilisiert für die Kunst, Kinder und Jugendliche zu verstehen, und sie als eigenständige Persönlichkeiten zu achten.

Nicht zuletzt aufgrund der Anwendung der Selbstpflegedefizit-Theorie D. E. Orems ist dieses Buch sicher auch für Kolleginnen und Kollegen aus der Erwachsenenpflege eine interessante und zu empfehlende Literatur.

Die leidige Seuche Pest-Fälle in der Frühen Neuzeit (Rezension)
Die leidige Seuche Pest-Fälle in der Frühen Neuzeit von Ulbricht, Otto von (Hrsg.) Böhlau Verlag, Köln, 2004, VIII + 345 S., 27,90 € - ISBN 3-412-09402-1Rezension von: Dr. Hubert KollingSeuchen und Epidemien haben die Menschheit seit biblischen Zeiten heimgesucht. Soziale K