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Pflegebedarf und Versorgungssituation bei älteren Menschen in Heimen (Rezension)

Pflegebedarf und Versorgungssituation bei älteren Menschen in Heimen (Hrsg.: Ulrich Schneekloth und Hans-Peter Wahl)   Kohlhammer, Stuttgart, 2009, 349 S., EUR 28,00 Rezension von: Sven Lind, Gerontologische Beratung Die vorliegende Veröffentlichung enthält den Bericht der Folgeu
September 10, 2013 by
Pflegebedarf und Versorgungssituation bei älteren Menschen in Heimen (Rezension)
Andreas Lauterbach

Pflegebedarf und Versorgungssituation bei älteren Menschen in Heimen (Hrsg.: Ulrich Schneekloth und Hans-Peter Wahl)

 

Kohlhammer, Stuttgart, 2009, 349 S., EUR 28,00

Rezension von: Sven Lind, Gerontologische Beratung

Die vorliegende Veröffentlichung enthält den Bericht der Folgeuntersuchung „Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung in stationären Einrichtungen“ (MuG IV) von Anfang 2005 bis Ende 2007, der eine Untersuchung mit derselben Themenstellung (MuG II) aus dem Jahre 1994 vorausging. Finanziert wurde die Erhebung vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ). Die Durchführung des Forschungsvorhabens lag in den Händen von Infratest Sozialforschung in München (Federführung) in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, dem Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) in Köln und dem Institut für gerontologische Forschung (IFG) in Berlin.

Die Basiserhebung bestand aus einer repräsentativen Erhebung in 609 Altenpflegeheimen. Im Fokus standen dabei die Bewohner, die wohnlichen Gegebenheiten und sozialen Kontakte, die personelle Ausstattung und die Pflegekosten. Aus dieser Ausgangsstichprobe wurden nach statistischen Kriterien 58 Einrichtungen für eine Erhebung mit demenzspezifischen Fragestellungen ausgewählt, die vom ZI bearbeitet wurde. Für den Untersuchungsteil „Einbeziehung von Angehörigen und Freiwilligen in die Pflege und Betreuung“ wurde eine Positivauswahl von 50 Einrichtungen vom ISG untersucht. Das IFG befasste sich mit „Fallstudien zur Qualität von Pflege und Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen“ in neun Pflegeheimen.

In der Publikation sind neben den beiden Herausgebern folgende Mitwirkende namentlich aufgeführt: Ingo von Törne, Martina Schäufele, Leonore Köhler, Sandra Lode, Siegfried Weyerer, Dietrich Engels, Frank Pfeuffer, Josefine Heusinger und Tina Knoch.  

Folgende Ergebnisse der verschiedenen Studien der Untersuchung sind nach Einschätzung des Rezensenten von besonderer Bedeutung:

·         Das so genannte integrative Versorgungskonzept (Zusammenleben von Demenzkranken und nicht Demenzkranken in einem Wohnbereich) bildet mit 53 Prozent immer noch das vorherrschende Konzept für den Heimbereich, während homogene Versorgungskonzepte (so genannte segregative bzw. teilsegregative Ansätze) nur 28 Prozent bzw. 15 Prozent ausmachen. Angesichts der Tatsache, dass ca. 65 Prozent und mehr der Bewohnerschaft demenzkrank sind, stellt dies ein unzumutbares Belastungspotential für die Bewohner und zugleich auch die Mitarbeiter dar.

·         Die Pflegeorganisation ist nur in 57 Prozent der Heime nach dem Konzept der Bezugspflege ausgerichtet, 39 Prozent praktizieren Mischformen aus Bezugs- und Funktionspflege. Für Demenzkranke im mittelschweren Stadium hingegen ist die Bezugs- oder Gruppenpflege eine unabdingbare Notwendigkeit, andernfalls drohen Überforderung und ständiger Stress bei den Bewohnern und auch bei den Pflegenden.

·         Eine richtige Bezugspflege kann in der Regel nicht praktiziert werden, da der Personalstand hierfür nicht ausreichend ist. Während der Richtwert für die Bezugspflege eine Relation von einer Pflegenden auf sechs Bewohner vorsieht, werden meist acht bis elf Bewohner von einer Mitarbeiterin gepflegt.

·         Das tägliche Pflegeaufkommen ist derart umfangreich, dass die Pflegenden kaum ihre regulären Pausen während der Arbeit nehmen können. Des Weiteren fühlen sich die Pflegenden stark belastet und klagen über ein Arbeitsklima, das als negativ und damit beeinträchtigend empfunden wird.

Diese Resultate stimmen mit vielen Erhebungen über den Heimbereich überein, die eine Verschlechterung der Versorgungsverhältnisse in den Einrichtungen seit Einführung der Pflegeversicherung belegen. Diese Entwicklung hin zu Mittelkürzungen (Budgetierung u. a.) und entsprechenden Minderleistungen  im Altenhilfebereich kann auch in anderen europäischen Ländern beobachtet werden.

Es kann das Fazit gezogen werden, dass die vorliegende Publikation bedeutsame Fakten herausgearbeitet hat, die belegen, dass die gegenwärtigen Strategien der Ökonomisierung und damit zugleich Entstaatlichung des Sozialbereiches den gesamtgesellschaftlichen Anforderungen einer zunehmend alternden Gesellschaft nicht gerecht werden. Das Buch kann allen beruflich Betroffenen als Beleg einer  fehlgeleiteten Sozialpolitik zur Lektüre empfohlen werden.

Krankenhausgeschichte heute (Rezension)
Krankenhausgeschichte heute. Was heißt und zu welchem Ende studiert man Hospital- und Krankenhausgeschichte?(Hrsg.: Gunnar Stollberg, Christina Vanja, Ernst Kraas)   (Historia Hospitalium. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte, Band 27). LIT-Verlag. Münste