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Pflegephaleristik<br> Katalog Österreich (Rezension)

Pflegephaleristik Katalog Österreich (Kozon, Vlastimil)ÖGVP Verlag, Wien, 2006, 213 S., 15,00 €, ISBN 978-3-9502178-0-3Rezension von: Dr. Hubert Kolling Die professionelle Krankenpflege in Österreich zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Alle Pflegeschulen, egal ob sie
May 25, 2013 by
Pflegephaleristik<br>
Katalog Österreich (Rezension)
Andreas Lauterbach

Pflegephaleristik
Katalog Österreich (Kozon, Vlastimil)

ÖGVP Verlag, Wien, 2006, 213 S., 15,00 €, ISBN 978-3-9502178-0-3

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Die professionelle Krankenpflege in Österreich zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Alle Pflegeschulen, egal ob sie nun die Ausbildung in der allgemeinen, pädiatrischen oder psychiatrischen Pflege anbieten, überreichen ihren Absolventinnen und Absolventen nicht nur ein Diplom, sondern auch eine – oft künstlerisch sehr schön gestaltete – Diplombrosche als Berufsabzeichen. Die gesetzliche Grundlage für diese Tradition, die es scheinbar seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt, bot seit 1914 das erste Pflegegesetz der k.u.k. Österreichisch-Ungarischen Monarchie. „Die Ehrendekoration für diplomierte Krankenpflegerinnen“ war dabei ursprünglich nur für die Frauen bestimmt, welche eine professionelle Ausbildung in einer staatlich anerkannten Pflegeschule absolviert und gelobt hatten, sich im Krieg und bei Epidemien als Pflegende zur Verfügung zu stellen. Wenngleich es entsprechende Abzeichen auch in anderen Ländern dieser Welt gibt, liegt die Besonderheit in Österreich darin, dass seit Donaumonarchiezeiten die Tradition der Überreichung von Pflegebroschen an allen zirka 100 Pflegeschulen und anderen Pflegeorganisationen nicht nur praktiziert, sondern auch „gelebt“ wird.

Im Rahmen eines Projektes der Österreichischen Gesellschaft für vaskuläre Pflege (ÖGVP) zur Geschichte der Pflegeausbildung und der Pflegephaleristik in Österreich hat der Wiener Pflegewissenschaftler Vlastimil Kozon in Zusammenarbeit mit Ilsemarie Walter seit 2003 die historische Entwicklung der Pflegeausbildung in Österreich, die Pflegebroschen und die dazu passenden Dokumente systematisch untersucht und seine Ergebnisse in dem vorliegenden Katalog dokumentiert. Im Vorwort schreibt der Autor zur Intension der Veröffentlichung: „In unserem pflegephaleristischen Beitrag möchten wir auf die wunderschöne Vielfalt der Pflegebroschen in Österreich hinweisen. [...] Hinter den einzelnen Pflegebroschen steht die ‚Geschichte’ vieler Pflegepersonen und zahlreicher Ausbildungsstätten. Jede Pflegeschule in Österreich hat ihre eigene Geschichte und mit unserem Katalog möchten wir einen kleinen Impuls zur Darstellung dieser Geschichte setzen. Durch pflegehistorische Erkundungen kann man verschiedene Aspekte des Pflegeberufes erkennen. Durch unsere pflegephaleristischen Bemühungen möchten wir auch auf die besonderen und schönen Aspekte der österreichischen Pflege hinweisen“ (S. 5).

Dies ist in beeindruckender Art und Weise gelungen! So macht es große Freude, den Katalog in Händen zu halten, darin zu blättern, sich die Broschen in ihrer wunderschönen Vielfalt anzuschauen und die dazugehörigen kurzen Texte zu lesen. Wie man hierbei sehen kann, variieren die bildlichen und grafischen Darstellungen auf den Anstecknadeln zwar stark, sie lassen sich jedoch meist in einige Symbolgruppen einordnen. Häufige Motive sind Wappen und Embleme, Spitaldarstellungen, der Kopf eines Stifters oder Heiligen sowie Säuglinge und Kinder für Berufsabzeichen der Kinderkrankenpflege. Auch die klassische Öllame, die an die Gründerin der modernen Krankenpflege Florence Nightingale erinnern soll, und das sogenannte Genferkreuz, das in vielen Varianten auf den Broschen auftaucht, sind beliebte und symbolträchtige Motive.

Durch verschiedene Einflüsse, wie beispielsweise Änderungen des Pflegegesetzes, wurden die Anstecknadeln immer wieder verändert, sodass es bis heute mehrere hundert Versionen von Pflegebroschen in Österreich gibt. Dank des Buches „Pflegephaleristik – Katalog Österreich“ steht den Pflegepersonen, Phaleristen und Sammlern, ebenso wie der historischen Pflegewissenschaft, nun ein erstes relativ komplettes Verzeichnis der Abbildungen aller bislang bekannten Pflegebroschen zur Verfügung.

Nach einer Einführung in die Pflegephaleristik, der historischen Hilfswissenschaft, die sich mit den tragbaren Auszeichnungen beschäftigt (S. 7-16), gliedert sich das Buch in zwei Teile. Zunächst geht es nach Bundesländern aufgeschlüsselt um die Broschen der allgemeinen Pflegeausbildung, Kinderkrankenpflegeausbildung, psychiatrischen Pflegeausbildung, Akademien und universitären Pflegeausbildung (S. 17-159), an die sich dann die Darstellung weiterer Broschen pflegerelevanter Vereine, Berufe und Institutionen in Österreich anschließen (S. 160-212) anschließt.

Mit der Veröffentlichung hat Vlastimil Kozon das historische Wissen in der Pflege vertieft, wurde mit der Diplombrosche an die Absolventinnen und Absolventen doch nicht nur ein Symbol der Pflege überreicht, sondern auch ein Stück Identität der jeweiligen Pflegeschule. Wie der ansprechend gestaltete Katalog mit seinen durchgängigen Farbabbildungen dabei beeindruckend zeigt, hat die österreichische professionelle Pflege eine große Vielfalt an Pflegebroschen, die weltweit kaum einen Vergleich findet.

Ergänzend zum Katalog möchte der Rezensent darauf hinweisen, dass eine umfangreiche Kollektion solcher Berufsabzeichen mittlerweile öffentlich zugänglich ist. Hierzu sei ein Besuch im Narrenturm, dem Pathologisch-Anatomischen Bundesmuseum in Wien (www.narrenturm.at und www.wien-vienna.at/narrenturm.htm) empfohlen, der wahrscheinlich über die einzige Sammlung dieser Art in einem medizinhistorischen Museum verfügt.

Nach der bahnbrechenden Arbeit von Vlastimil Kozon wäre nun unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten auch ein Vergleich mit anderen Ländern hochinteressant. So gibt es etwa in Deutschland zwar eine Reihe von Museen, die entsprechende Anstecknadeln zeigen, (www.drk/oeffentlichkeitsarbeit/werbung_messen/bundesmesseteam/links/museum.htm), diese haben aber zumeist nur das Rote Kreuz im Blick. Eine systematische Erfassung und Dokumentation steht hier ebenso wie für andere Länder noch aus. Zwischenzeitlich sei auf das beeindruckende Krankenschwestern-Broschen-Museum von Leni Amelsberg verwiesen (www.schwesternbroschen.de), das virtuell – ohne weitergehende Angaben – eine Vielzahl von Krankenschwestern-Broschen aus Deutschland und der Welt präsentiert.

Den Krieg überwinden<br> Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung<br> Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Rezension)
Den Krieg überwinden Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung Mit einem Geleitwort von Karl Holl (Schriftenreihe Geschichte & Frieden, Band 14) (Riesenberger, Dieter)Donat Verlag, Bremen, 2008, 443 Seiten, Hardcover, 29,80 Euro, ISBN 978-3-938275-44-3Reze