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Praktische Ethik in der Medizin<br>Rechtsmedizinische Forschungsergebnisse Bd. 29 (Rezension)

Praktische Ethik in der MedizinRechtsmedizinische Forschungsergebnisse Bd. 29 (Oehmichen, Manfred, et al. (Hrsg.))Verlag Schmidt Römhild, Lübeck, 2003, 345 S., 70,00 €, ISBN: 978-3-7950-0326-5Rezension von: Paul-Werner Schreiner Die Beiträge des vorliegenden Buches gehen auf
May 25, 2013 by
Praktische Ethik in der Medizin<br>Rechtsmedizinische Forschungsergebnisse Bd. 29 (Rezension)
Andreas Lauterbach

Praktische Ethik in der Medizin
Rechtsmedizinische Forschungsergebnisse Bd. 29 (Oehmichen, Manfred, et al. (Hrsg.))

Verlag Schmidt Römhild, Lübeck, 2003, 345 S., 70,00 €, ISBN: 978-3-7950-0326-5

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Die Beiträge des vorliegenden Buches gehen auf eine Tagung im Dezember 2002 in Kiel zurück, die von den Instituten für Rechtsmedizin an den Medizinischen Fakultäten Kiel und Lübeck sowie dem Zentrum für Ethik der Universität Kiel ausgerichtet wurde. Ziel der Tagung war es, aktuelle ethische Probleme im gesellschaftlichen Handlungsbereich der Gesundheitsversorgung zu diskutieren.

Die Herausgeber schreiben im Vorwort: „Das vorliegende Buch geht von ethischen Grundwerten als Richtschnur aus, wozu u. a. gehören ‚Achtung des Menschenlebens‘, ‚Achtung der Menschenwürde‘ und ‚Achtung der Selbstbestimmung‘. Was aber ist ‚Menschenleben‘ - wo beginnt es, wo endet es? -, was ist ‚Menschenwürde‘, und wo beginnt und endet die ‚Selbstbestimmung‘, - darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

In der ärztlichen - und universitären - Praxis stehen sich zurzeit durchgehend folgende Antinomien gegenüber:

  • Freiheit der Forschung versus Würde des Menschen;
  • Recht auf Gesundheit versus Selektionierung;
  • Recht auf Autonomie versus Gefahren und Sorge um Missbrauch.
Vom einzelnen Arzt und Forscher lässt sich eine Bewertung nicht durchführen; diese ist allenfalls aufgrund eines gesellschaftlichen Konsenses möglich.“

Die gut 20 Beiträge des Buches sind in 7 Abteilungen gegliedert:

  • Grenzen der Medizin-Ethik
  • Reproduktionsmedizin
  • Stammzell-Therapie
  • Psychiatrie
  • Onkologie
  • Anästhesie und Intensivmedizin
  • Transplantation.
Auch wenn viele Detailthemen diskutiert werden, kann in einer Tagung und damit in diesem Buch nur ein Ausschnitt der anstehenden Fragen und Probleme aufgegriffen werden. Gleichwohl lohnt es sich, in das Buch hineinzulesen.

Bei einem Viel-Autoren-Buch, wie dem vorliegenden, würde das Eingehen auf jeden Beitrag den Rahmen einer Besprechung sprengen. Es sei gestattet, zwei Beiträge zu erwähnen, einen kritisch und einen positiv – die Autoren sind jeweils Theologen.

Hans Grewel trägt in seinen „Theologischen Anfragen an die Intensivmedizin“ seine bekannten Vorbehalte gegen Therapiebegrenzung und z. B. Patientenverfügungen vor. Geradezu ärgerlich daran ist, dass er keinen Hinweis gibt, an was sich Ärzte in der Notfall- und Intensivmedizin orientieren sollen - angesichts immenser Handlungsmöglichkeiten und eines nicht mehr vorhandenen fraglos akzeptierten gesellschaftlichen Wertekodexes. Auch vermisst man schmerzlich Angaben darüber, an welcher Vorstellung des Todeseintrittes der Autor sich orientiert. Wäre dies der Stillstand von Herzaktivität und Atmung, so wäre einzuwenden, dass auch dies lediglich eine historisch willkürlich aufgegriffene Vorstellung ist; des Weiteren müsste diskutiert werden, wie mit dieser Vorstellung umzugehen ist, wenn die Intensivmedizin eben genau den so definierten Todeseintritt verhindert. Hinsichtlich Grewels Position zu den Patientenverfügungen ist zustimmend festzustellen, dass in der Tat niemand weiß, was der Verfügende in der konkreten Situation dann wirklich will; zu fragen ist jedoch, weshalb wir Anlass haben, grundsätzlich davon auszugehen, dass der Betroffene das Verfügte in dieser Situation nicht mehr will.

Ulrich Eibach geht aus christlich seelsorgerlicher Sicht sehr behutsam mit der Frage der Beendigung der kurativen Behandlung in der Onkologie um. Dabei verneint er in konkreten Fallbeispielen schon die Notwendigkeit, den Betroffenen unbedingt über alle Optionen zu informieren. Er begründet dies wie folgt: „…weil Patienten mit solchen Entscheidungen meist überfordert sind und meist in ihnen angebotene letzte medizinische Behandlungen große Hoffnungen setzen, sich an sie klammern. Dies führt zur Behandlung ‚um jeden Preis‘ mit der scheinbaren oder tatsächlichen Zustimmung der Patienten. Über den Weg der autonomen Selbstbestimmung der Patienten über die Art ihrer Behandlung sind die Probleme des Behandlungsverzichts auch in der Onkologie nicht in erster Linie zu lösen. Es ist notwendig, dass alle Beteiligten, die Patienten, ihre Angehörigen sowie die Ärzte und Pflegekräfte bereit sind, die Übermacht des Todes über das Leben und erst recht über alle medizinischen Möglichkeiten anzuerkennen und anzunehmen. Die Bekämpfung des Todes an sich darf kein Ziel der Medizin sein, sondern nur eine Bekämpfung der tödlichen Krankheit, solange diese dem Wohlergehen des Menschen dient.“

Medizinhistorischer Stadtführer München<br> Von den Anfängen bis zur Gegenwart (Rezension)
Medizinhistorischer Stadtführer München Von den Anfängen bis zur Gegenwart (Burgmair, Wolfgang und Wolfgang Locher)Kunstverlag Josef Fink. Lindenberg, 2008, 160 S., 19,90 €, ISBN 978-3-89870-378-9Rezension von: Dr. Hubert Kolling Die Medizin- und Pflegegeschichte spielte in