Pschyrembel Pflege (Wied, Susanne und Angelika Warmbrunn (Hrsg.))Walter de Gruyter, Berlin, 2012, 3. überarb. und erw. Aufl., X und 935Rezension von: Paul-Werner Schreiner |
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Der Pschyrembel ist als Nachschlagewerk in den Gesundheitsberufen eine nicht wegzudenkende Größe. Eine Folge der Spezialisierung in den einzelnen Disziplinen einerseits und Professionalisierung ehedem untergeordneter Disziplinen andererseits ist es, dass jede Disziplin ihre je eigenen Publikationen beansprucht - und das geht bis zu den Nachschlagewerken. Nun gäbe es reichlich Anlass, über diesen Prozess kritisch zu reflektieren, nur kann dies nicht Aufgabe einer Buchbesprechung sein.
Der Pschyrembel Pflege erscheint nun in dritter Auflage. Laut Pschyrembel-Redaktion in der Produktinfo "erklärt in gewohnt hoher Pschyrembel-Qualität alle relevanten Begriffe aus den Gebieten Pflegetechniken, Pflegehilfsmittel, Pflegewissenschaft, Pflegemanagement sowie psychologische und juristische Fragestellungen im pflegerischen Alltag".
Zahlreiche Stichworte wurden über arbeitet, über 250 Stichworte sind neu. Ein vollkommen neuer Themenbereich sind die Heilpflanzen mit Angaben zu Wirksamkeit, Anwendungsgebieten und Dosierung von z. B. Tees und Einreibungen. Bei vielen Stichwörtern ist die englische Übersetzung angefügt. Im Anhang sind die zentralen Auszüge aus den Expertenstandards dokumentiert.
Für spezifisch pflegerische Fragestellungen ist der Pschyrembel Pflege ein hilfreiches Nachschlagewerk und so zu empfehlen.
Eine kritische Anmerkung sei erlaubt: Grundsätzlich ist es löblich,
wenn ein Nachschlagewerk eine alphabetische Anordnung hat - es ist die einzige
Ordnung, die sich ohne Weiteres erschließt. Man kann das Prinzip aber
auch übertreiben - und dies treibt dann merkwürdige Blüten. So
werden unter dem Stichwort "ATL" in einer tabellarischen Auflistung
zwar sachgemäß den Grundbedürfnissen des Menschen nach Henderson
die Lebensaktivitäten nach Roper und die universellen menschlichen Selbstpflegeerfordernisse
nach Orem gegenübergestellt - die "AEDL" nach Krohwinkel, die
nun unmittelbar an das Konzept von Henderson angelehnt sind, finden sich alphabetisch
korrekt an anderer Stelle; es findet allerdings sich bei genauer Lektüre
wenigstens ein Querverweis. Noch weniger vermittelbar ist das Stichwort "EKG",
unter dem der Leser allerlei Lehrreiches findet - u. a. auch Erläuterungen
über unipolare und bipolare Ableitungen, über die Ableitungen nach
Wilson, Goldberger, Nebh und Einthoven. So weit so gut. Alphabetisch korrekt
findet der Leser, wenn er denn auf die Idee kommt, danach zu suchen - Querverweise
fehlen -, Ausführungen zu den Brustwandableitungen und wiederum anderer
Stelle solche zu den Extremitätenableitungen. Das Ordnungsprinzip des Alphabets
sollte auch in einem Nachschlagewerk kein Selbstzweck sein. Für die vierte
Auflage sei hier eine gründliche Überprüfung angeraten.