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Schwendner - Bürgerschaftliches Engagement

Schwendner, Christine Bürgerschaftliches Engagement in ambulant betreuten Wohngemeinschaften Mabuse, Frankfurt am Main, 2014,344 S., 39,90 €, ISBN 978-3-86321-169-1 Derzeit entwickelt sich ein Ausbau alternativer Wohnformen für Ältere mit erhöhtem Betreuungs- und Unterstützungsbe
September 20, 2015 by
Schwendner - Bürgerschaftliches Engagement
Andreas Lauterbach

Schwendner

Schwendner, Christine

Bürgerschaftliches Engagement in ambulant betreuten Wohngemeinschaften

Mabuse, Frankfurt am Main, 2014,344 S., 39,90 €, ISBN 978-3-86321-169-1

Derzeit entwickelt sich ein Ausbau alternativer Wohnformen für Ältere mit erhöhtem Betreuungs- und Unterstützungsbedarf, insbesondere als Alternative zur Heimversorgung mit dem Ziel einer Deinstitutionalisierung. Es entspricht vermehrt dem Wunsch älterer Menschen, ein Leben in weitgehender Selbstständigkeit und Eigenverantwortung führen zu können. Dafür gibt es derzeit verschiedene Modelle und Typologisierungen (S. 48). Für die Autorin ist das Kernelement, ob und inwieweit dabei Angehörige und bürgerschaftliches Engagement einbezogen werden, was sich empirisch allerdings nicht stets als trennscharf erweisen sollte.

Bei dem Band handelt es sich um die berufsbegleitende Dissertation der Autorin (u.a. Diplom-Gerontologin und Sozialpädagogin), die seit 2003 Referentin für Seniorenarbeit und Seniorenpolitik im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration und seit 2010 stellvertretende Referatsleiterin ist. Einen Dissertationscharakter merkt man dem Band streckenweise an, dies hat aber vielleicht auch den Vorteil, dass eine im Kern empirische Studie auch, und zwar fundiert, theoretisch eingebettet wird.

Nach Einleitung (Kap. 1) und einer Darstellung demografischer und gesellschaftspolitischer Kontextfaktoren (Kap. 2) werden in Kap. 3 Wohnformen ambulant betreuter Wohngemeinschaften für ältere Menschen einschließlich dazu bisher bekannter Daten beschrieben. Für theoretisch gehalt- und anspruchsvoll hält der Rezensent die Darstellung in Kap. 4 zu bürgerschaftlichem Engagement vor dem Hintergrund der Grundideen des Wohlfahrtspluralismus und normativer Bezüge der Zivilgesellschaft. Auch dies wird durch vorfindbare empirische Befunde (z. B. aus dem Freiwilligensurvey und den Sinus-Milieus) angereichert.

Das Untersuchungsdesign wird in Kapitel 5 beschrieben. Es wurden 22 Interviews in drei ambulant betreuten Wohngemeinschaften aus verschiedenen Regionen sowie eine Gruppendiskussions-Telefonkonferenz mit drei Expertinnen und Experten durchgeführt. Interviews mit Mieterinnen und Mietern waren aus forschungsethischen Gesichtspunkten heraus nicht möglich, grundsätzlich sinnvolle teilnehmende Beobachtungen in den Einrichtungen waren seitens der teilnehmenden Einrichtungen „nicht erwünscht“.

Strukturdaten und „Steckbriefe“ der drei Wohngemeinschaften werden in Kap. 6 vorgestellt (Zielgruppen, Gruppengrößen, Initiatoren und Gründungsimpuls, Struktur und Akteure, Beteiligung Angehöriger und bürgerschaftlich Engagierter, Kosten und Finanzierung, Konzeptionelles, Motivation und Anerkennungskultur, Probleme und Bewältigungsformen in Kap. 7. Kap. 8 fasst die zentralen Ergebnisse und Schlussfolgerungen zusammen und Kap. 9 diskutiert Limitationen und sich anschließende Fragen. Ein Anhang dokumentiert die Erhebungsinstrumente.

Als zentrale Ergebnisse werden angegeben, dass (wenig überraschend) Frauen aus affinen Milieus und Berufsfeldern dieses bürgerschaftliche Engagement dominieren und dass die Weichen für (erfolgreiches) bürgerschaftliches Engagement bereits bei der Gründung gelegt werden – sei es durch Pflegedienste (Markt), Angehörige (informeller Sektor) oder durch bürgerschaftlich Engagierte („dritter Sektor“). Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Probleme hinsichtlich der Kooperation, der informellen Führungsrollen (insbesondere durch Pflegedienste) und der Kommunikation ergeben sich Empfehlungen, wie diese durch entsprechendes Handeln aller beteiligten Akteure möglichst vermieden oder jedenfalls reduziert werden könnten.

Sicher wäre es wünschenswert, solche Untersuchungen auf eine breitere empirische Basis zu stellen, es nicht bei einer einmaligen „exploratorischen“ Untersuchung zu belassen etc. Dem insgesamt jedoch sich zeigenden Befund in dem lesenswerten Band, dass alternative ambulante Wohnungsgemeinschaften möglich und „caring communities“ zu stärken sind, tut dies jedoch kaum Abbruch.

Eine Rezension von Prof. Dr. Thomas Elkeles (Hochschule Neubrandenburg)

Klug et al. - Was braucht eine moderne Gerontopsychiatrie?
Günter Klug et al. (Hrsg.) Was braucht eine moderne Gerontopsychiatrie? Rahmenbedingungen für mobile sozialpsychiatrische Hilfe im Alter. Beiträge zur Internationalen Gerontopsychiatrischen Tagung anlässlich von zehn Jahren SOPHA – Sozialpsychiatrische Hilfe im Alter Mabuse, Fran