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Soziale Gerontologie (Rezension)

Soziale Gerontologie (Siegfried Charlier (Hrsg.))Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2007, 450 Seiten, 34,95 €, ISBN 978-3-13-143751-8Rezension von: Prof. Dr. Hermann Brandenburg Das vorliegende Buch von Charlier ist ein für Praktiker der Altenpflege geschriebenes Werk. Es orienti
May 25, 2013 by
Soziale Gerontologie (Rezension)
Andreas Lauterbach

Soziale Gerontologie (Siegfried Charlier (Hrsg.))

Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2007, 450 Seiten, 34,95 €, ISBN 978-3-13-143751-8

Rezension von: Prof. Dr. Hermann Brandenburg

Das vorliegende Buch von Charlier ist ein für Praktiker der Altenpflege geschriebenes Werk. Es orientiert sich in seiner Struktur an den Lernbereichen, wie sie vom Kuratorium Deutsche Altershilfe vorgeschlagen wurden. Inhaltlich werden auf 434 Seiten vier Lernbereiche präsentiert. Lernbereich 1 „Aufgaben und Konzepte der Altenpflege“ umfasst acht Unterkapitel, bei denen ein „roter Faden“ nur schwer erkennbar ist. Das inhaltliche Spektrum reicht von Informationen zum Altern im gesellschaftlichen Kontext über Pflegemodelle und Pflegeprozess bis hin zur Darlegung von Grundlagen der Kommunikation und Gesprächsführung. Ergänzt werden

diese Ausführungen durch rechtliche Grundlagen sowie einem abschließenden Abschnitt zur interdisziplinären Teamarbeit in der Pflege. Besser erkennbar ist die Systematik in Lernbereich 2 „Unterstützung alter Menschen bei der Lebensgestaltung, welches zehn Unterkapitel umfasst. Hier geht es um Veränderungsprozesse im Alter, wobei einerseits auf Sexualität, Demenz, Tod und Sterben und andererseits auf Ernährung, Wohnen und Tagesgestaltung fokussiert wird. Lernbereich 3 „Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen altenpflegerischer Arbeit“ (vier Unterkapitel) enthält eine kurze Darlegung sozialrechtlicher Grundlagen (vor allem bezogen auf das System der sozialen Sicherung), einen Abriss juristisch relevanter Aspekte altenpflegerischer Arbeit (von der Staatsbürgerkunde bis zum Arbeitsrecht), eine Darlegung von einzelnen Aspekten betriebswirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Finanzierungsfragen der Altenhilfe sowie einen Überblick über Konzepte und Methoden der Qualitätssicherung. Erwähnenswert ist hier der aktuelle Bezug. Neben den vom Deutschen Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP) entwickelten monodisziplinären Expertenstandards werden auch die von der Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen (BUKO-QS) vorgestellten multidisziplinären Standards erwähnt. Lernbereich 4 „Altenpflege als Beruf“ ist in fünf Unterkapitel aufgeteilt und beschäftigt sich mit Fragen und Herausforderungen an eine professionelle Altenpflege. Neben der Geschichte der Pflegeberufe und anderen professionstheoretischen Aspekten geht es um Lern- und Arbeitstechniken, berufstypische Konflikte und Befindlichkeiten, Spannungen und Gewalt in der Pflegebeziehung sowie abschließend um Aspekte der Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung.

Jedes Buch hat Stärken und Schwächen. Und jeder der schreibt, der wird sich seiner Grenzen bewusst. Positiv zu erwähnen ist der Versuch recht umfassend das Spektrum der Sozialen Gerontologie abzudecken. Aber wenn das schon versucht wird, dann setzt dies einen Begriff von Sozialer Gerontologie voraus, der zunächst klar dargelegt werden müsste. Das hat nichts zu tun mit umständlicher und daher überflüssiger akademischer Begriffsverwirrung. Aber ein ansatzweise definiertes Konzept von Sozialer Gerontologie, d.h. eine Ab- und Eingrenzung dieses Gegenstandsfelds konnte ich nicht erkennen. Damit fehlt der in der Einleitung versprochene „rote Faden“, der eine Übersicht über das Stoffgebiet hätte ermöglichen können. Ein zweiter Kritikpunkt verdient Erwähnung, nämlich die Frage nach der Tiefenschärfe. Es muss keine eingehende und alle Seiten betrachtende Analyse von jedem Detailproblem vorgenommen werden. Aber was ist wirklich wichtig für die professionelle Pflege alter Menschen? Was muss ein Altenpfleger zu Fragen der Sozialen Gerontologie wissen? Was muss er oder sie in der Ausbildung lernen? Müssen wirklich Einzelaspekte psychoanalytischer Persönlichkeitsentwicklung dargelegt werden? Warum fehlen andere Bereiche oder kommen zu kurz? Ich denke hier an das Wohnen im Alter, welches zwar erwähnt wird, aber viel differenzierter hätte dargestellt werden können (Folgen institutionalisierten Wohnens, Vergleich segregative und integrative Versorgungsform bei Menschen mit Demenz, ökogerontologische Erkenntnisse über die Gestaltung von Wohnen und Wohnumfeld). Ich denke an sozialgerontologische Theorien zur Erklärung von Altern in unserer Gesellschaft, die auch die Rolle der Altenpflege mit einbezieht. Das ist wichtig für ein Verständnis der eigenen Rolle und ihrer Grenzen. Und ich denke an einen kritischen Blick auf die Qualitätsentwicklung in der Altenpflege, die einerseits dem bürokratischen und fachlichen Zugriff etablierter Disziplinen ausgesetzt ist (institutionalisiert über den MDK, die Heimaufsicht, die Gesundheitsämter etc.) und andererseits durch immer wieder neue Moden und Methoden (Validation, Snoezelen, etc.) euphorisiert wird, deren Wirksamkeit nur unzureichend untersucht wurde.

Die genannte Kritik ist konstruktiv zu verstehen. Das Buch verfügt über ein Potenzial, welches weiter auszubauen ist. Eine didaktische Grundstruktur ist vorhanden, ein Team von erfahrenen Praktikern konnte für die Mitarbeit gewonnen werden, und die DVD ist professionell gestaltet. Ich wünsche dem Buch eine gute Verbreitung. Möge bei der zweiten Auflage der eine oder andere Kritikpunkt Berücksichtigung finden.

Grundkurs Ethik (Rezension)
Grundkurs Ethik (Körtner, Ulrich, H. J.)Facultas, Wien, 2004, 268 S., 23,60 €, ISBN 978-3-85076-650-0Rezension von: Paul-Werner Schreiner Der Autor des vorliegenden Buches ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wi