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Was Pflegebedürftige wirklich brauchen<BR>Zukünftige Herausforderungen an eine bedarfsgerechte ambulante und stationäre Versorgung (Rezension)

Was Pflegebedürftige wirklich brauchenZukünftige Herausforderungen an eine bedarfsgerechte ambulante und stationäre Versorgung (Hasseler, Martina und Stefan Görres )Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover, 2005, 160 S., 22,90 €, ISBN 3-89993-153-X Rezension von: Paul-We
May 25, 2013 by
Was Pflegebedürftige wirklich brauchen<BR>Zukünftige Herausforderungen an eine bedarfsgerechte ambulante und stationäre Versorgung  (Rezension)
Andreas Lauterbach

Was Pflegebedürftige wirklich brauchen
Zukünftige Herausforderungen an eine bedarfsgerechte ambulante und stationäre Versorgung (Hasseler, Martina und Stefan Görres )

Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover, 2005, 160 S., 22,90 €, ISBN 3-89993-153-X

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Was in Zukunft sein wird, weiß niemand wirklich genau. Futurologie und Science-Fiction liegen häufig nahe beieinander. Und das trifft im Prinzip auch für seriöse Vorhersagen zu, die für alle Planung benötigt werden. Nun stehen uns heute Rechenkapazitäten zur Verfügung, die relativ präzise Modellrechnungen ermöglichen. All diese Bemühungen stoßen aber immer an die nicht aufhebbare Grenze, dass die Ergebnisse immer nur so gut sind, wie die Struktur und Qualität der eingegebenen Daten. Und das bedeutet in der Regel, dass Vorhersagen auf dem Ist-Zustand basieren.

Dies allgemeine Regel ist im Besonderen bei dem vorliegenden Buch zu bedenken. Was Pflegebedürftige wirklich brauchen - diese Frage beschäftigt nicht Politik-Strategen, sondern auch viele, die in der täglichen Arbeit an und mit Pflegebedürftigen arbeiten. Nun - worum geht es in dem Buch? Eine Enquetekommission in Nordrhein-Westfalen mit dem Namen „Situation und Zukunft der Pflege in NRW“ erteilte dem Institut für angewandte Pflegeforschung (iap) an der Universität Bremen den Auftrag, ein Gutachten zu erstellen. In dem Auftrag war formuliert, dass auf folgende Gruppen von Pflegebedürftigen insbesondere geachtet werden sollte:

  • Hochaltrige
  • demenziell erkrankte Pflegebedürftige
  • Migrantinnen und Migranten
  • alt werdende Menschen mit Behinderungen Alleinlebende
  • Homosexuelle
  • Paare ohne Kinder chronisch Kranke.
Dieses Anforderungsprofil bedingt eine hohe Komplexität, worauf die Herausgeber auch schon in der Einleitung hinweisen.

Nach einem skizzenhaften Überblick über die Ausgangssituation werden die Begriffe „Pflegebedürftigkeit“ und „Pflegebedarf“ definiert sowie die entsprechenden Konzepte vorgestellt. Danach werden für die einzelnen Gruppen Pflegebedarf und Pflegebedarfskonstellationen dargestellt. Die Bedarfskonstellation speziell für NRW wird anschließend aus Expertensicht beurteilt. Ein Exkurs widmet sich der Frage, welche Dienstleistungen die Angehörigen der Pflegeberufe in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Zukunft erbringen können. In dem abschließenden Kapitel werden ein Fazit gezogen sowie Empfehlungen gegeben.

Die Ergebnisse der Studie sind nicht überraschend und gehen kaum über das hinaus, was seit Jahren in der sozialpolitischen Debatte diskutiert und gefordert wird (Vernetzung, Kooperation, bessere Steuerung, Aufbau komplementärer Netzwerke usw.). Dies ist auch nicht verwunderlich, gehen die Autoren doch auch bei der Ermittlung der Pflegebedarfe von der bestehenden Versorgungsstruktur aus. Nun kann aber unschwer vermutet werden, dass der Pflegebedarf in einem rein ärztlich dominierten Versorgungssystem ein anderer ist als in einem Versorgungssystem, in dem Pflegenden eine eigene Handlungskompetenz zugesprochen wird; an einer Stelle wird auch auf dieses Problem zumindest hingewiesen. Ebenso sind zu erwartende Pflegebedarfe und die auf dieser Grundlage zu entwerfende Versorgungsstrukturen in einem System, das von dem Paradigma „ambulant vor stationär“ bestimmt ist, notwendig andere als in einem System, das stationäre Versorgung nicht in einer Art und Weise diskriminiert, wie es derzeit in Deutschland der Fall ist.

Von einem wissenschaftlichen Gutachten würde man sich etwas mehr grundlegende Diskussion erwarten und eben nicht nur eine Hochrechnung des Ist-Zustandes. Denn ein solches Gutachten macht eigentlich ja nur dann wirklich Sinn, wenn die politisch Verantwortlichen Alternativen für eine künftige politische Gestaltung an die Hand bekommen. Diese Chance ist leider nicht genutzt worden. Die Kritik muss natürlich auch den Auftraggeber treffen bzw. wirft ein Licht auf diesen zurück.

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