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Methodischer Fachbeitrag · CareLit LIVIA

Transparente Literaturarbeit braucht einen dokumentierten Prozess.

Wie ein gemeinsamer Arbeitsraum Recherche, Inhaltsanalyse und wissenschaftliches Schreiben verbinden kann – und warum fachliche Entscheidungen nicht automatisierbar werden.

CareLit-Redaktion · Stand: 18. September 2026 · Produktbezogener Fachbeitrag mit Literaturbezug. Kein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis.

Kurzfassung

Literaturarbeit besteht nicht allein darin, passende Texte zu finden. Für eine überprüfbare Arbeit müssen auch Suchweg, Auswahl, Bewertung und Auswertung nachvollziehbar sein. Werden diese Informationen auf Suchoberflächen, Tabellen, Notizen und Schreibdateien verteilt, können Bezüge verloren gehen. CareLit LIVIA setzt hier mit einem projektbezogenen Arbeitsprozess an: Recherchen dokumentieren, Quellen einordnen, qualitative und quantitative Analysen bearbeiten und Ergebnisse in Evidence Twins ausformulieren. Der erwartbare Nutzen liegt in konsistenter Dokumentation und weniger Übertragungsarbeit. Eine Verbesserung von Qualität oder Bearbeitungszeit muss dagegen empirisch geprüft werden.

1. Transparenz ist mehr als ein Literaturverzeichnis

Ein Literaturverzeichnis zeigt verwendete Quellen, nicht den Weg zu ihrer Auswahl. PRISMA 2020 beschreibt, welche Informationen für eine transparente Berichterstattung systematischer Reviews erforderlich sind. Dazu gehören unter anderem Auswahlverfahren, Informationsquellen und die Darstellung des Studienflusses. Die Leitlinie ist kein Gütesiegel für eine Suchstrategie und ersetzt nicht die methodische Durchführung eines Reviews. [1]

Für Literaturarbeiten folgt daraus eine praktische Aufgabe: Entscheidungen sollten während der Bearbeitung dokumentiert werden, nicht erst am Ende aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Dazu gehört auch, Unsicherheit sichtbar zu lassen. Eine nicht dokumentierte Filtereinstellung ist keine unbeschränkte Suche; eine fehlende Trefferzahl darf nicht durch eine plausible Zahl ersetzt werden.

2. Die Recherche als überprüfbares Verfahren

PRISMA-S ergänzt die Berichterstattung um suchspezifische Angaben. Relevante Nachweise umfassen Datenbanken und Plattformen, ausgeführte Suchstrategien, Suchdaten, Einschränkungen und die Anzahl gefundener Datensätze. Erst diese Angaben ermöglichen eine sachgerechte Prüfung und erleichtern eine spätere Aktualisierung. [2]

LIVIA verknüpft hierfür die Forschungsfrage mit ausgewählten Suchläufen. Der CareLit-Suchverlauf kann als Ausgangspunkt dienen; externe Recherchen lassen sich ergänzend dokumentieren. Nutzer:innen ordnen Projektquellen zu, halten Ein- und Ausschlusskriterien sowie Screening-Zahlen fest und erzeugen daraus einen bearbeitbaren Methodenabschnitt. Unvollständige Angaben bleiben kenntlich. Ein optionales, an PRISMA orientiertes Flussdiagramm unterstützt die Darstellung des Auswahlwegs, ist aber kein Nachweis einer vollständigen PRISMA-konformen Berichterstattung.

Wichtig bleibt die fachliche Planung. Das Cochrane Handbook empfiehlt eine an der Fragestellung ausgerichtete Suche und betont den Beitrag erfahrener Informationsspezialist:innen. Je nach Vorhaben sind mehrere Datenbanken und weitere Quellen erforderlich. Eine geringere Treffermenge allein bedeutet nicht, dass eine Suche relevanter oder vollständiger geworden ist. [3] CareLit bietet einen gemeinsamen Dokumentationsraum; es macht andere Informationsquellen nicht grundsätzlich entbehrlich.

3. Quellen bewerten und Aussagen zurückverfolgen

Nach der Recherche beginnt die eigentliche inhaltliche Arbeit. In LIVIA stehen Kernaussage und Zusammenfassung neben Angaben zu Studiendesign, Population, Setting und methodischen Grenzen. Belege können durch eigene Einordnungen ergänzt werden. Damit bleibt unterscheidbar, was eine Quelle berichtet und was die bearbeitende Person daraus ableitet.

Der QDA-Navigator unterstützt die Zuordnung von Textstellen zu definierten Codes und Kategorien. Für quantitative Inhaltsanalysen werden Dokumente als Fälle bearbeitet: Text- und Zahlenfelder, Auswahlwerte, Ja/Nein-Angaben oder ordinale Skalen bilden ein eigenes Variablensystem. Begriffs- und Kategorienhäufigkeiten lassen sich dokumentübergreifend vergleichen und in Matrizen darstellen. Fundstellen im Kontext helfen, Zählergebnisse zu kontrollieren.

Diese Werkzeuge nehmen keine methodische Entscheidung ab. Analyseeinheit, Auswahl des Korpus, Codierregeln, Umgang mit Mehrdeutigkeit und fehlenden Werten müssen zum Erkenntnisziel passen. Ein kurzer Abstract und ein vollständiger Artikel sind beispielsweise keine ohne Weiteres vergleichbaren Texteinheiten. Ein häufiges Wort ist weder automatisch ein wichtiges Thema noch ein Beleg für die Wirksamkeit einer Maßnahme.

4. Schreiben als Teil der Dokumentation

Evidence Twins führt den gespeicherten Projektstand in einem bearbeitbaren Dokument zusammen. Literaturüberblick, Recherchemethode, qualitative und quantitative Ergebnisse können gegliedert, ergänzt und als Word-Dokument exportiert werden. Quellenbezüge und Auswertung bleiben dadurch näher an der Textproduktion als bei einer ausschließlich manuell zusammengesetzten Berichtdatei.

Das unterscheidet den Ansatz von einer isolierten, frei formulierten KI-Antwort: Der Bericht baut auf dokumentierten Projektangaben auf, die überprüft und verändert werden können. Auch hier ist eine menschliche Endkontrolle unverzichtbar. Eigene Änderungen, aktualisierte Projektdaten, Zitate und Schlussfolgerungen müssen bewusst abgeglichen werden. Schreibunterstützung ist keine wissenschaftliche Autorenschaft und keine Garantie korrekter Aussagen.

5. Qualität entsteht durch Prüfung, nicht durch die Oberfläche

Die PRESS-Leitlinie zeigt, wie ein strukturierter Peer-Review einer elektronischen Suchstrategie methodische Fehler aufdecken kann. Geprüft werden etwa die Umsetzung der Forschungsfrage, Suchbegriffe, Boolesche Operatoren, Syntax und Einschränkungen. [4] Ein Werkzeug kann hierfür Nachweise bereitstellen, aber nicht die fachkundige Prüfung ersetzen.

Ein gemeinsamer Arbeitsraum kann Rückfragen erleichtern: Welche Suche führte zu einer Quelle? Warum wurde sie eingeschlossen? Welche Textstellen stützen eine Kategorie? Welche Zählregel liegt einer Tabelle zugrunde? Wenn solche Beziehungen erhalten bleiben, werden Besprechung, Überarbeitung und Projektübergabe praktikabler. Für geteilte Projekte und Exporte müssen gleichwohl Datenschutz, Zugriffsrechte und Verlagslizenzen beachtet werden.

Fazit

CareLit LIVIA bündelt Arbeitsschritte, die sonst häufig auf mehrere Werkzeuge verteilt sind. Der zentrale Anspruch ist nicht, wissenschaftliche Entscheidungen unsichtbar zu automatisieren, sondern sie dokumentierbar, überprüfbar und weiterverwendbar zu machen. Weniger Übertragungsarbeit und bessere Übersicht sind plausible Vorteile dieses Aufbaus. Ob und in welchem Umfang dadurch Zeit gespart oder die Qualität verbessert wird, sollte mit geeigneten Vergleichs- und Nutzungsstudien untersucht werden.

Literatur

  1. Page MJ et al. The PRISMA 2020 statement: an updated guideline for reporting systematic reviews. BMJ. 2021;372:n71. doi:10.1136/bmj.n71.
  2. Rethlefsen ML et al. PRISMA-S: an extension to the PRISMA Statement for Reporting Literature Searches in Systematic Reviews. Systematic Reviews. 2021;10:39. doi:10.1186/s13643-020-01542-z.
  3. Lefebvre C et al. Searching for and selecting studies. In: Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions. Kapitel 4, Version 6.5.1, 2025. Online-Kapitel.
  4. McGowan J et al. PRESS Peer Review of Electronic Search Strategies: 2015 Guideline Statement. Journal of Clinical Epidemiology. 2016;75:40–46. doi:10.1016/j.jclinepi.2016.01.021.

Die genannten Leitlinien dienen der methodischen Einordnung. Daraus folgt keine Zertifizierung, Empfehlung oder Kooperation der jeweiligen Organisationen mit CareLit.

Den beschriebenen Arbeitsprozess kennenlernen.

Sehen Sie, wie Literatur, Methoden und Ergebnisse in LIVIA zusammengeführt werden.